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| − | Die '''Radikale Bürgerunion''' oder sagradisch '''Unión Cívica Radical''' (kurz '''UCR''') war eine kleine [[Sagradien|sagradische]] Partei in den Fünfziger Jahren. Die aus der [[Partido Radical|Radikalen Partei]] hervorgegangene linksliberale bis sozialdemokratische Partei entstand aus einem Wahlbündnis der Radikalen mit der kleinen [[Partido d'Acción Democrática]] und anderen Mitte-Links-Gruppierungen anlässlich der [[Senatswahlen 1949]] und [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950|Kammerwahlen 1950]] und war Anfang der Fünfziger Jahren an der Regierung der [[Zentrumskoalition]] unter [[Paulo Luciaro]] beteiligt. Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung erlitt sie Mitte der Fünfziger Jahre einen Erosionsprozess und löste sich 1957 schließlich auf. Während sich Vertreter des sozialdemokratischen Flügels an der Gründung der [[ASUL]] beteiligten, führten Vertreter des liberalen Flügels das radikale Erbe im [[Partido Radical-Democrático]] (PRD) fort. | + | Die '''Radikale Bürger-Union''' (UCR) war ein linksliberales Wahlbündnis in [[Sagradien]], das anlässlich der [[Parlamentswahl 1954]] gegründet wurde. Das Bündnis bestand vor allem aus früheren Mitgliedern des [[Partíu Republicano Radical]], die eine Teilnahme am Mitte-Rechts-Bündnis [[Unión Democrática]] verweigerten. Das UCR ist eine Vorläuferorganisation der heutigen [[PRD|Radikalen Partei]]. |
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| − | == Geschichte der UCR ==
| + | Die Spaltung der Radikalen Partei entzündete sich 1953 nach dem Bruch der Großen Koalition mit Christdemokraten und Sozialisten am Entschluss der Interims-Parteiführung unter [[Luciano Vélez]], die Koalition mit der christdemokratischen [[Volkspartei]] als Mitte-Rechts-Koalition fortzuführen. Ein Teil des linken Parteiflügels ging auf Opposition zu dieser Entscheidung und kündigte der Regierung die Gefolgschaft auf. Nach der Übernahme des Parteivorsitzes durch [[Carles Méndez-León]] und der Entscheidung zur Gründung der Unión Democrática als einem neuen Mitte-Rechts-Bündnis erklärte sich das linksliberale ''Movimiento de Radical-Democráticoes'' schließlich für unabhängig. Zusammen mit einigen [[ASUL]]-Dissidenten und anderen linksliberalen Gruppen trat das Movimiento zur [[Parlamentswahl 1954]] als Radikale Bürger-Union an und zog mit sechs Abgeordneten ins Parlament ein. Dabei vertrat die UCR den Anspruch, das historische Erbe des sagradischen ''Radicalismo'' in Form von Säkularismus, Toleranz, Demokratie und Bürgerrechten zu vertreten. |
| − | Die Radikale Bürgerunion wurde 1949/1950 gegründet und ging aus der Mehrheit der alten [[Partido Radical|Radikalen Partei]] (PRD) hervor, von dem sich 1949 der Regierungsflügel als [[Unión Democrática Republicana]] (UDR) abgespaltet hatte. Diese verbündeten sich schließlich mit dem [[Partido d'Acción Democrática]] [[Fernando de la Rúa]]s. Hinzu kamen kleinere regionale Splittergruppen des linken bürgerlichen Spektrums und Einzelvertreter der sozialdemokratischen Linken. Die Partei war eine linksbürgerliche laizistische Partei mit einem sozialliberalen Programm. Gegründet wurde die UCR zunächst als Wahlbündnis der Rest-PRD mit kleineren Bürgerlisten und Wahlparteien anlässlich der [[Senatswahlen 1949]]. Dazu gehörte u.a. die Ein-Mann-Partei [[Concertación Social-Democrática]] des langjährigen Bürgermeisters von [[Artir]] [[Angel Martín Celardo]] sowie die [[Unión Cívica Pacifista]]. Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950|Kammerwahlen 1950]] wurde das Bündnis wiederholt, ehe im Dezember 1950 die PRD ganz in der UCR aufging. | |
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| − | Bei den Kammerwahlen 1950 holte die UCR 2,9 Prozent der Stimmen und schnitt damit nur wenig stärker ab als die konkurrierende UDR mit 2,2 Prozent. Das schlechte Abschneiden beider Gruppen und der gemeinsame Eintritt ins [[Kabinett Luciaro II]] im Herbst 1950 führten zu einem Wiederannäherungsprozess der beiden radikal-republikanischen Parteien, der die Bildung einer gemeinsamen Parlamentsfraktion im Januar 1951 umfasste (siehe [[Unión de Republicanoes i Radical-Democráticoes]]). Dem Ausscheiden der UCR aus dem Kabinett Luciaro im Jahr 1953 folgte das Auseinanderbrechen der URRD-Fraktion vor den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954|Kammerwahlen 1954]], welches das Ende des Wiederannäherungsprozesses markiert. Während die UCR ihren Standpunkt links der Mitte suchte, wanderte die UDR aufs konservativ-bürgerliche Spektrum zu. Die UDR schloss sich zu den Kammerwahlen dem Mitte-Rechts-Bündnis [[Unión Democrática]] mit mehreren konservativ-liberalen Parteien an, das mit einem Stimmenanteil von 8,9 Prozent sehr erfolgreich abschnitt. Die UCR betonte dagegen ihre Eigenständigkeit, konnte alleine aber nur 1,5 Prozent der Stimmen gewinnen. Fernando De la Rúa hatte die Partei bereits vorher verlassen und sich mit seinem [[Cientro Democrático Humanista]] den [[PSD|Sozialdemokraten]] angeschlossen.
| + | Bereits wenige Monate nach der Wahl zerfiel die UCR-Fraktion. Zwei Parlamentarier traten zu den [[ASUL|Sozialisten]] über, während die Kerngruppe der ''Radical-Democráticoes'' als unabhängige Gruppe weiterbestand, aber einen Anschluss an den verbliebenen linken UD-Flügel suchte. 1958 stieß eine weitere Gruppe linker Dissidenten aus dem [[Partíu Radical]] hinzu. Daraus entstand schließlich als eigenständige Partei der [[Partíu Radical-Democrático]] (PRD). |
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| − | Anders als die Parteien der UD, die 1955 der neuen [[Bürgerblock]]-Regierung [[Kabinett Luciaro V|Luciaro]] beitraten, setzte die UCR-Parteiführung um [[Daniel Galindo Ferres]] auf eine Annäherung an die politische Linke, was zu großen parteiinternen Verwerfungen führte. Eine größere Minderheit, die nach wie vor auf einen eigenständigen Weg als liberale Partei der Mitte und eine mittelfristige Wiedervereinigung mit der UDR hinarbeitete, geriet in Widerspruch zur Anlehnung der Parteiführung an die neu entstehende Mitte-Links-Allianz aus [[PS|Sozialisten]] und [[PSD|Sozialdemokraten]]. Eine Wiedervereinigung mit mehreren UDR-Dissidenten, die das [[Partido Radical-Democrático|Movimiento de Radical-Democráticoes]] (MRD) bildeten, scheiterte wesentlich an dieser neuen Mitte-Links-Strategie, doch verließen zahlreiche UCR-Mitglieder die Partei und schlossen sich dem MRD an.
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| − | Die Diskussion um den zukünftigen Standort der Partei, das schwache Abschneiden bei Wahlen und der damit eingeleitete Erosionsprozess kulminierten schließlich in der parteiinternen Debatte um eine mögliche Beteiligung an der entstenden Neugründung einer sozialdemokratischen Mitte-Links-Partei, die schließlich 1957 in der [[ASUL]] verwirklicht wurde. Der Parteitag der bereits marginalisierten UCR zeigte sich in dieser Hinsicht gespalten und die Flügel unversöhnlich. Die Gruppe um Parteichef Galindo Ferres befürwortete die neue Parteigründung und sah den Platz der UCR auf der Linken, Gegner lehnten den Verlust der Eigenständigkeit ab und wollten die Radikale Partei fortführen.
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| − | Die UCR beschloss schließlich nach einer Eskalation der Spannungen ihre Auflösung, nachdem sich die Parlamentsfraktion bereits gespalten hatte. Die bisherige Parteiführung des UCR beteiligte sich mehrheitlich an der Gründung der sozialdemokratischen Mitte-Links-Partei ASUL, der ein ein großer Teil der Mitglieder beitrat. Die Gegner der ASUL-Gründung, vornehmlich vom liberalen Parteiflügel, folgten nun ihren ehemaligen Kollegen ins MRD, das sich nun - unter Beteiligung dissidenter Sozialdemokraten - in [[Partido Radical-Democrático]] (PRD) umbenannte und damit die alte Radikale Partei wiederbelebten.
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| | [[Kategorie: Sagradische Partei]] | | [[Kategorie: Sagradische Partei]] |
| | + | [[Kategorie: Historische Partei in Sagradien]] |
Die Radikale Bürger-Union (UCR) war ein linksliberales Wahlbündnis in Sagradien, das anlässlich der Parlamentswahl 1954 gegründet wurde. Das Bündnis bestand vor allem aus früheren Mitgliedern des Partíu Republicano Radical, die eine Teilnahme am Mitte-Rechts-Bündnis Unión Democrática verweigerten. Das UCR ist eine Vorläuferorganisation der heutigen Radikalen Partei.
Die Spaltung der Radikalen Partei entzündete sich 1953 nach dem Bruch der Großen Koalition mit Christdemokraten und Sozialisten am Entschluss der Interims-Parteiführung unter Luciano Vélez, die Koalition mit der christdemokratischen Volkspartei als Mitte-Rechts-Koalition fortzuführen. Ein Teil des linken Parteiflügels ging auf Opposition zu dieser Entscheidung und kündigte der Regierung die Gefolgschaft auf. Nach der Übernahme des Parteivorsitzes durch Carles Méndez-León und der Entscheidung zur Gründung der Unión Democrática als einem neuen Mitte-Rechts-Bündnis erklärte sich das linksliberale Movimiento de Radical-Democráticoes schließlich für unabhängig. Zusammen mit einigen ASUL-Dissidenten und anderen linksliberalen Gruppen trat das Movimiento zur Parlamentswahl 1954 als Radikale Bürger-Union an und zog mit sechs Abgeordneten ins Parlament ein. Dabei vertrat die UCR den Anspruch, das historische Erbe des sagradischen Radicalismo in Form von Säkularismus, Toleranz, Demokratie und Bürgerrechten zu vertreten.
Bereits wenige Monate nach der Wahl zerfiel die UCR-Fraktion. Zwei Parlamentarier traten zu den Sozialisten über, während die Kerngruppe der Radical-Democráticoes als unabhängige Gruppe weiterbestand, aber einen Anschluss an den verbliebenen linken UD-Flügel suchte. 1958 stieß eine weitere Gruppe linker Dissidenten aus dem Partíu Radical hinzu. Daraus entstand schließlich als eigenständige Partei der Partíu Radical-Democrático (PRD).