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Version vom 12:35, 26. Nov 2015
Lucién I. (von Sagradien), (deutsch seltener auch Lukian I., *1809; †1873), König von Sagradien (1849-1873). Kam nach der Abdankung seines Vaters Emil I. Johann auf den Thron und setzte die liberale Novemberverfassung von 1817 wieder in Kraft. In hohem Alter erkrankte der König schwer und stand seit 1867 unter Regentschaft seines jüngeren Bruders Prinz Philipp Emilian und nach dessen Tod 1871 unter der seines Neffen und Thronfolgers Luis Filipe. Die Regierungszeit Lukians I. ist geprägt vom liberalen Kronkanzler Jacquel de Montevil und wird auch als "Era Liberal" bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
Jugend und Zeit als Kronprinz
Carles Lucién de Borbón-Viena wurde 1809 als Sohn von Emilio Joán Herzog von Viena und dessen erster Frau Wilhelmine von Preußen im micolinischen Exil in Servette geboren. Nach der Restauration des Jahres 1813 kehrte Lucién nach Sagradien zurück. Nach der Novemberrevolution von 1817 und der erzwungenen Abdankung Joseph Ludwigs I. wurde sein Onkel Joseph Ludwig II. zum sagradischen König erhoben und Lucién stieg in den engeren Kreis der königlichen Prinzen auf. In seiner Jugend verbrachte Lucién lange Jahre im Frankreich der Restaurationszeit sowie in England, wo er das parlamentarische Regierungssystem kennen lernte.
Der Tod des Thronfolgers Philipp Albert von Sagradien 1825 machte Luciéns Vater Emilio Joán Herzog von Viça zum neuen Thronfolger, der nach dem Tod Joseph Ludwigs II. 1829 den Thron bestieg. Lucién wurde nun selbst Thronfolger und erhielt den traditionellen Titel eines Prinzen von Sarmay. Sein Vater regierte in der Folge zunehmend reaktionär und restaurierte das absolutistische Königtum, indem er 1832 die Novemberverfassung von 1817 aussetzte. Zur Zeit der Hungersnöte 1846/1847 sorgte Lucién persönlich für Notmaßnahmen und erwarb sich große Beliebtheit im Volk.
Aprilrevolution 1848
Unter dem Kronkanzler Fernando Conte de Lesta erlebte Sagradien in den Vierziger Jahren die "Decada del Terror", die schließlich in der Aprilrevolution von 1848 gipfelte, in der Lucién mit dem Rest seiner Familie das Land verlassen musste. Bereits nach kurzer Zeit kehrte Lucién nach Sagradien zurück und versuchte mit seiner Präsenz und dem Versprechen politischer Reformen die Monarchie zu retten. Einen Coup gegen seinen Vater, wie es ihm Liberale verschlugen, lehnte er aber entschieden ab.
Sein Vater Emil Johann kehrte im Mai ins Land zurück, entließ die Regierung Lesta und berief die Stände ein, die eine neue Verfassung ausarbeiteten. Gegen den Rat seines Sohnes löste Emil Johann im November die liberal dominierte Ständeversammlung auf und oktroyierte eine ständische Übergangsverfassung (Carta Emiliana), die zu den Dezemberaufständen von 1848 führten. Wieder musste Lucién das Land verlassen. Noch ehe sein Vater im Januar 1849 zugunsten seines Sohnes abdankte, nahm Lucién mit der Andeutung politischer Reformen Kontakt mit dem Rumpfparlament in Videça auf, das ihm signalisierte, sein Königtum zu begrüßen.
Beginn des Königtums
Nach der Abdankung Emil Johanns in der ersten Januarwoche 1849 kehrte Lucién nach Sagradien zurück und wurde in San Docién von einer jubelnden Menge in Empfang genommen. In Semess angekommen, bestieg er als Lucién I. den sagradischen Thron, erklärte als eine seiner ersten Amtshandlungen die Carta Emiliana für ungültig und setzte mit sofortiger Wirkung die miguelitische Novemberverfassung von 1817 wieder in Kraft. Ein bald zu wählendes Parlament sollte sodann selbst Vorschläge für mögliche Verfassungsreformen machen. Er setzte den Liberalen Domênco de Gaspart als neuen Kronkanzler ein und setzte den Grundstein für die „Era Liberal“ in der sagradischen Geschichte, welche die Emilianische Restauration beendete.
Aus den Wahlen von 1849 gingen die liberalen Konstitutionalisten als knappe Sieger hervor, ehe sie nach einer neuerlichen politischen Krise um die Regierung Marcio Verra Losa bei den Wahlen von 1855 einen Kantersieg mit einem Stimmenanteil von über 60 Prozent feiern konnten. Mit Jacquel Lorenzo Montero Graf von Montevil ernannte Lucién einen liberalkonservativen Politiker zum Kronkanzler, der der konstitutionalistischen Partei nahestand. Nachdem Montevil 1857 zurückgetreten war, kam es zu einer Spaltung der konstitutionalistischen Partei in einen konservativen und einen linksliberalen Flügel. Das Jahr 1860 brachte für den König gleich mehrere Schicksalsschläge. Wenige Wochen nach dem Tod seines jüngeren Bruders Miquel Francisco, des Herzogs von Viça, wurde Luciéns einziger Sohn und Thronfolger, Philipp Prinz von Sarmay, in Semess Opfer eines Attentats und starb im Alter von nur 21 Jahren. Die Nachfolgerechte gingen damit an die Söhne des kürzlich verstorbenen Miquel Francisco über, zu denen der König bis dahin kein enges Verhältnis gepflegt hatte.
Bretagnekrieg gegen Napoléon III.
Nachdem Sagradien 1859 nach Jahren der Pläne und bilateralen Verhandlungen mit Frankreich mit dem Bau des Bretagnekanals auf sagradischer Seite begonnen hatte, ließ Napoleon III. 1860 die Verhandlungen scheitern und wirkte auf eine expansive Lösung hin. Er widerrief die 1855 bereits an Sagradien vergebenen Baurechte auf französischer Seite und erklärte den Kanalbau für ungültig. Als Sagradien sich weigerte, einen Baustopp zu verhängen und den französischen Maximalforderungen zu entsprechen, drohte Frankreich mit einer militärischen Intervention, woraufhin Sagradien die Teilmobilmachung an der Ostküste in Gang setzte. Dies nahm Napoleon III. als Grund zur Kriegserklärung an Sagradien und begann damit den Sagro-Französischen Krieg (auch Bretagnekrieg) von 1860/61, in dem Frankreich auf die Wiederangliederung des sagradischen Nordostens an Frankreich sowie den Gewinn kolonialer Besitzungen in Mittel- und Südamerika (v.a. Guiana) hoffte. Inmitten des Kriegs berief Lucién im Frühjahr 1861 Jacquel de Montevil wieder zum Kronkanzler und Außenminister, der den Eintritt Großbritanniens in den Krieg auf sagradischer Seite erreichte. Nach der Schlacht von Challón im Juli 1861 musste Frankreich im Friede von Cavalla auf die erhofften Gebietsgewinne verzichten, erhielt aber zusätzliche Nutzungsrechte am Bretagnekanal.
Regierung Montevil, Krankheit und Tod
In der Folge ließ König Lucién seinem leitenden Minister Montevil weitgehend freie Hand in der Staatsregierung und zog sich auf seine Repräsentationspflichten zurück. Als er 1862 schwer erkrankte, nahm er immer seltener an Staatsgeschäften teil und überließ zahlreiche Aufgaben seinem jüngeren Bruder Prinz Philipp Emilian, dem Herzog von Óstino, der im Laufe der Krankheit des Königs immer stärker in die Rolle eines Quasi-Regenten hineinwuchs. Seit 1867 war Lucién gar nicht mehr in der Lage, sein königliches Amt auszuüben, lehnte auf Anraten Montevils aber eine Abdankung zugunsten seines - jedoch selbst kinderlosen - Bruders Philipp Emilians oder seines noch jungen Neffen Luis Filipe, wie von konservativer Seite gefordert, ab. Stattdessen übertrug er nun auch offiziell die Regentschaft seinem Bruder Philipp Emilian, der als Vertrauter Montevils galt und dessen Regierung auch nach Verlust der parlamentarischen Mehrheit 1865 weiter stützte.
Im Namen Luciéns erließ Prinz Philipp Emilian 1870 eine von Montevil erarbeitete und vom Parlament verabschiedete Verfassungsrevision, die die Rechte des Parlaments deutlich stärkte und in Sagradien den Weg für eine parlamentarische Regierungsweise ebnen sollte. Nach dem Tod Philipp Emilians 1871 folgte ihm sein Neffe Luis Filipe als Regent nach. Als Lucién 1873 nach langen Jahren schwerer Krankheit starb, folgte ihm sein Neffe Luis Filipe als König Philipp VIII., ältester Sohn Miquel Franciscos, auf den Thron. Mit dem Thronwechsel von 1871 endete die Liberale Ära in Sagradien und die Konservative Wende unter Philipp VIII. begann.