Jacquel de Montevil

Aus Sagradien
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Jacquel Lorenzo Montero Brâs Graf von Montevil (*1805 in Fontán de las Vegas, heute Fontán de Montevil; +1890 in Verde), seit 1862 Marqués de Challón und Graf von Verde, war ein sagradischer Staatsmann. Er war von 1855 bis 1857 und danach erneut von 1861 bis 1873 Kronkanzler, Premierminister und Außenminister des Königreichs Sagradien unter den König Lucien I., seinem Bruder Prinz-Regent Philipp Emilian und seinem Nachfolger Philipp VIII. Als solcher prägte er der liberalkonservative Realpolitiker die so genannte Era Liberal in Sagradien, in der Sagradien als konstitutionelle Monarchie mit parlamentarischer Beteiligung regiert wurde und die liberalen Konstitutionalisten sich als stärkste politische Gruppe behaupten konnten.

Herkunft und Jugend

Jacquel Lorenzo Montero wurde 1805 in Fontán de las Vegas (heute Fontán de Montevil) bei Semess geboren. Sein Vater Pietro Montero stammt aus dem sagradischen Dienstadel und trug den Titel eines Grafen von Montevil, seine Mutter war Micolinierin und aus der Markgrafenfamilie von Carragal. Als ältester Sohn des Grafen von Montevil wurde von dem jungen Jacquel eine respektable Karriere erwartet. Er trat in die Semesker Militärakademie ein und begann eine Karriere als Offizier. 1838 trat Montevil aus dem Heer aus und begann eine Europareise, auf der er neben dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auch philosophische, anthropologische und ökonomische Studien unternahm.

Diplomatische und politische Karriere

Im Jahr 1845 trat Montevil in den diplomatischen Dienst seines Landes ein und fungierte bis 1848 als Generalkonsul in Albero. 1849 quittierte er den Dienst, um sich um ein Mandat in der sagradischen Abgeordnetenkammer zu bewerben. Er zog in die Kammer ein und reihte sich in die große Gruppe der Konstitutionalisten ein, die für eine liberale Verfassung eintraten und den liberalen König Lucién I. unterstützten. 1850 wurde Montevil Finanzminister und 1852 Außenminister im königlichen Kabinett, ehe er 1853 zum sagradischen Botschafter in London ernannt wurde. Nach dem überragenden Sieg der Konstitutionalisten bei den Kammerwahlen 1855, bei denen sich Montevil erneut erfolgreich um ein Mandat beworben hatte, ernannte König Lucién ihn zum Ministerpräsidenten und Kronkanzler. Streitigkeiten innerhalb des liberal-konservativen Ministeriums und innerhalb der konstitutionalistischen Abgeordneten führten 1857 zum Rücktritt Montevils, der sein Ministerium als gescheitert betrachtete. Mit seiner Demission kam es zur ersten Spaltung der konstitutionalistischen Partei und damit der liberalen Bewegung in Sagradien, als sich von den eher liberalkonservativen Mehrheitskonstitutionalisten, die eher linksliberal ausgerichteten Aprilisten abspalteten.

Sagro-Französischer Krieg und zweites Ministerium

Nachdem es 1860 zum Ausbruch des Sagro-Französischen Kriegs um Bretagnekanal und Kolonialbesitzungen gekommen war, kehrte Montevil infolge einiger militärischer Niederlagen und unter Druck der Mehrheitskonstitutionalisten an die Spitze des Ministeriums zurück. Montevils geschickter Diplomatie – er war zugleich auch Außenminister – war es zu verdanken, dass England auf Seiten Sagradiens in den Krieg eintrat. Bei Challón siegten schließlich die sagradischen Truppen entscheidend über die geschwächte Armee Napoleons III., der wenig später im Frieden von Cavalla auf wichtige Kolonialbesitzungen verzichten und den Bretagnekanal als sagradisch-französische Staatsgrenze anerkennen musste.

In den kommenden Jahren galt Montevil als unumstrittener politischer Führer des Landes und setzte mehrere entscheidende liberale Reformen durch. Er revolutionierte das Heereswesen sowie das Bildungssystem, führte neue Steuergesetze ein, etablierte ein Sozialversicherungssystem. Dennoch verlor er bei den Kammerwahlen 1865 seine parlamentarische Mehrheit und sah sich in der Folge gezwungen, mit Teilen der konservativen Rechten zusammenzuarbeiten. Die schwere Erkrankung König Luciéns I. führte seit 1866 zu einer dauerhaften politischen Krise, in der ein Teil der Rechten schließlich versuchte, über das Umfeld des Königs eine Entlassung Montevils und die Übergabe der Regentschaft von Prinz Philipp Emilian, der die Regentschaft seit 1867 ausübte, an den erzkonservativen Thronfolger Luis Filipe zu erreichen, was allerdings am Widerstand des Parlaments scheiterte. Der Bruch der Konservativen mit Montevil führte schließlich 1868 zur Wiedervereinigung der Montevilisten mit den linksliberalen Aprilisten (seit 1864 Partido Liberal) in der Unión Costitucionalista, die sich vornehmlich gegen die Machtclique um Prinz Luis Filipe richtete und die Rolle des Parlaments zu stärken suchte. Montevil nahm in der Folge mehrere linksliberale Minister in sein Ministerium auf und erließ im Jahr 1870 unter Zustimmung der Parlamentskammern einige Verfassungsreformen, die einerseits die Bürgerrechte stärkten und andererseits den Einfluss des Parlaments auf die Regierungstätigkeit stärkte.

Eine außenpolitische Krise zwischen Sagradien und Frankreich um die Kolonialbesitzungen in Guyana und der Karibik konnte auf der internationalen Guyana-Konferenz 1869 ausgeräumt werden.

Konflikt mit Philipp VIII. und Demission

Nach dem Tod Luciéns I. im Jahr 1871 folgte ihm sein Neffe Luis Filipe als Philipp VIII. auf dem Thron nach. Mit ihm endete die Konstitutionalistische Union nach nur drei Jahren. Philipp drängte auf die Entlassung mehrerer liberaler Minister zugunsten eines eher konservativen Ministeriums. Montevil bot in dieser Situation seinen Rücktritt an, was der König jedoch unter Rücksicht auf die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse und den potenziellen Einfluss Montevils auf die Mehrheitsparteien ablehnte. Der Versuch eines politischen Kompromisses zwischen dem gemäßigt-liberalen Realpolitiker Montevil und dem erzkonservativen König führte zu einer Distanzierung des als montevilistisch bezeichneten Partido Regenerador von der Regierung und gleichzeitig zu einer inneren Spaltung der Partei. Seit 1872 kam es mit zunehmendem Einfluss rechter Kreise auf den König zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Spannungen zwischen König und Ministerpräsident. Als Montevil schließlich mithilfe der liberalen Parlamentsmehrheit eine Reihe liberaler Verfassungszusätze durchsetzen und damit seine Macht gegenüber dem König demonstrieren wollte, scheiterte er kläglich, da sowohl linke Konstitutionalisten als auch die politische Rechte ihre Zustimmung verweigerten. Nach dieser Niederlage reichte Montevil seinen Rücktritt ein und demissionierte nach zwölf Jahren ununterbrochener Kanzlerschaft.

An seiner Stelle berief Philipp VIII. ein konservatives Kabinett und löste 1874 das Parlament auf. Aus den Neuwahlen gingen die Anhänger des Königs (Filipistas) als Sieger hervor, die zusammen mit rechten Montevilisten die Mehrheit im Parlament stellten. Mit der konservativen Wende der Jahre 1871-1874 endete die Liberale Ära (auch Montevilistische Ära), die wesentlich von Montevils liberalkonservativer Realpolitik und der Zusammenarbeit des Ministeriums mit der liberalen Parlamentsmehrheit geprägt worden war.

Ruhestand

Montevil zog sich in der Folge weitgehend aus dem politischen Leben zurück, trat gelegentlich aber als Kritiker des Königs auf. Besonders seine spitzen Interviews, die er vornehmlich für linke und liberale Zeitungen gab, machten ihn zu einem gefürchteten Gegner des Königs, der seit den Achtziger Jahren in immer größeren Widerspruch mit der liberalen Parlamentsmehrheit geriet. Als diese Spannungen im Jahr 1891 zur Januarrevolution und zum Ende der Monarchie führten, war Montevil bereits ein halbes Jahr tot. Seine eigene Partei, der Partido Regenerador, verlor mit dem Ende der Monarchie schlagartig an Bedeutung. Stattdessen traten neue republikanische Kräfte das Erbe der Konstitutionalisten an. Dennoch gilt Montevil noch heute als Ikone des gemäßigten sagradischen Liberalismus und darüber hinaus als wichtigster sagradischer Staatsmann des 19. Jahrhunderts.