Sagradischer Bürgerkrieg
Als Sagradischer Bürgerkrieg wird eine Reihe von Aufständen, Kriegen und sonstigen gewaltsamen Auseinandersetzungen bezeichnet, die sich im Königreich Sagradien zwischen 1708 und 1722 ereigneten. Darin ging es um einen Machtkampf zwischen dem sagradischen König und seinen absolutistisch gesinnten Anhängern sowie verschiedenen Strömungen, die eine Form des ständischen Regiments im Gegensatz zur monarchischen Alleinregierung anstrebten. Im engeren Sinne wird als Sagradischer Bürgerkrieg klassischerweise der in der neueren Forschung meist als Sagradischer Koalitionskrieg oder Krieg der Coalicionárioes bezeichnete militärische Konflikt zwischen König Danadier II. und der oppositionellen Adelskoalition verstanden, der mit Unterbrechungen von 1713 bis 1721 geführt wurde. Dagegen zählt die neuere Forschung zum Komplex des Bürgerkriegs auch die Reihe von Aufständen vor 1713 sowie die Auseinandersetzung mit den so genannten Philippkarlisten, die sich nach 1721 ereigneten und bis etwa 1735 andauerten.
=
Der Bürgerkrieg hatte seine Ursachen vor allem in den sozialen und politischen Entwicklungen in Sagradien während der Regierungszeit König Gabriels VII. (1651-1698). Dieser verfolgte das Ziel, die Zentralgewalt der Krone zulasten der traditionell einflussreichen Stände, den Cortes zu stärken. Für diesen Zweck benötigte er in erster Linie ein stabiles Finanzsystem. Das alte System zur Steuereintreibung durch die hochadeligen Gouverneure der Provinzen, hatte sich als ineffektiv erwiesen. Gabriel griff daher die Politk seines ersten Ministers Kardinal Bernabêu auf und stärkte die Zugriffsrechte des Königs auf die Verwaltung des Landes. Der Adel verlor auf diese Weise rapide an Einfluss und Autonomie. Vorbild Gabriels war die absolutistische Regierungsform Frankreichs, wie sie unter Ludwig XIV. ausgeübt wurde. Auch in Sachen Hofhaltung und Ausgabenpolitik eiferte Gabriel dem französischen Vorbild nach.
Unter Gabriels Nachfolger Danadier II. (1698-1721) wurde diese unpopuläre Politik fortgeführt und erreichte einen Höhepunkt, der die Staatsfinanzen an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte. Die Beteiligung Danadiers am Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten Frankreichs führte zu einem rapiden Anwachsen der Staatsschulden, die der König durch Steuern in den Griff zu bekommen suchte. Schnell weitete sich die Kritik im Land, die zunächst vor allem von den Städten aufgekommen war, auf den gesamten Regierungsstil Danadiers aus, der als autokratisch und absolutistisch empfunden wurde. Besonders gegen die verschwenderische Finanzpolitik des Königs wehrten sich die Gegner.
Nach der Erhöhung der allgemeinen Steuern im Jahr 1708 – sie hatten zum Rücktritt des leitenden Ministers Santiago Corvón, Graf von Casterley, geführt – schlug die Missstimmung auf die hungernde Semesker Stadtbevölkerung über, die ihren Unmut im Juli 1708 in einem allgemeinen Aufstand (Juliaufstand 1708) zum Ausdruck brachte. Danadier ließ die Aufstände niederschlagen. Die Kritik am König hielt aber an. Nachdem der König die Abgaben des Adels zur Kriegsfinanzierung angehoben hatte, war es im September 1711 der niedrige Landadel, der sich gegen den König erhob (Septemberaufstand 1711). Der König reagierte schließlich und berief die Generalstände ein, die nun über mögliche Finanzierungsmöglichkeiten des Kriegs beraten sollten.
In den einberufenen Generalständen kristallisierte sich jedoch schnell ein oppositionelles Lager um den Herzog von Sesin, José de Santori-Sesín heraus, das dem Krieg ablehnend gegenüberstand und einen raschen Friedensschluss befürwortete. Mehrere Resolutionen der Stände wurden vom König als Affront betrachtet und barsch zurückgewiesen. Die Versuche seines leitenden Ministers Carles de Granval, zu vermitteln, scheiterten allesamt. Granval wurde schließlich entlassen, sein Nachfolger Manuel de Cambras setzte auf eine Konfrontation mit den Ständen, denen er Konspiration mit dem Königreich Cuentez vorwarf, das sich seit 1711 im Krieg mit Sagradien befand.
Als die neuen Generalstände dem König die Zusicherung weiterer Kredite verweigerten, löste dieser schließlich im April 1713 die Versammlung auf und kehrte zu seiner autokratischen Politik zurück. Gleichzeitig musste Danadier im Friede von Utrecht die strategisch wichtigen Westseestützpunkte La Cripón und Cereza an Großbritannien abtreten, konnte sich aber auf keinen Frieden mit dem benachbarten Cuentez-Tulis einigen, das den Krieg gegen Sagradien fortsetzte. Eine Abordnung der gerade aufgelösten Generalstände versuchte nun auf Einladung des Herzogs von Sesin in Vesaey das weitere Vorgehen zu erörtern. Dabei sollte ein neuerlicher Kompromiss mit dem König gefunden werden. Gleichzeitig empfing die Versammlung der Prinzen auch eine Delegation des Königreichs Cuentez, mit der über mögliche Konditionen eines Waffenstillstandes verhandelt werden sollte. Schließlich verabschiedete die Versammlung die so genannte Erklärung von Vesaey, in der die Versammlung vom König die Wiedereinberufung der Stände forderte. Dies wurde von Minister Cambras als Akt des Verrats gegen den König interpretiert, die Versammlung wurde gewaltsam aufgelöst und der Herzog von Sesin festgenommen, was schließlich den Bürgerkrieg auslöste, da dessen Anhänger nun aus dem Hochadel Truppen zusammenzogen und Aufstände gegen den König anzettelten.
Sesin kam rasch frei und stellte sich an die Spitze des Aufstandes. Er leitete Verhandlungen mit Johann III. von Cuentez ein,
In Tulis kam auf Einladung des Königs Johann III. von Cuentez ein verkleinertes Rumpfparlament aus Oppositionsmitgliedern zusammen, um über weitere Schritte zu beraten und anstelle Danadiers Friedensverhandlungen mit Tulis aufzunehmen. Unter der Führung von José de Sesín erklärte das Parlament den König für abgesetzt und berief sich dabei auf den Eid, den der König geleistet hatte und in dem er versprochen hatte, nur zum Nutzen der sagradischen Nation zu handeln. Das Rumpfparlament stellte Sesín ein eigenes Heer zu Verfügung, das auf Semesce losmarschierte. Mit der Schlacht bei Tantallas 1713 zwischen königlichen Truppen und Anhängern Sesíns begann der Bürgerkrieg. Der König stützte sich auf seine alten Anhänger aus dem Norden des Landes sowie auf das Haus Bourbon und seine französischen Kontakte. Sesín versammelte hinter sich eine Koalition aus oppositionellen Adligen, vornehmlich aus den Häusern Santori, Piacón und Todesce. Nachdem der micolinische König George I. jede Verwicklung in die Kämpfe verweigert hatte, bewilligte sein Nachfolger George II. die Entsendung eines Freiwilligenheers zur Unterstützung der Koalition. Unter dem Oberbefehl von Alésio Graf Vierna konnte das Koalitionsheer schnell einige Erfolge feiern, jedoch keine Entscheidung erzwingen. Cuentez-Tulis stand der Koalition von Beginn an zur Seite und erhoffte sich eine zukünftige sagradisch-cuentezische Allianz gegen die Bedrohung aus Micolinien. Nach der Hinrichtung Casterleys im Jahr 1717 und der Übernahme des Oberbefehls der santorischen Truppen durch Luca de Cuentez geriet der König immer mehr unter Druck. Seit 1720 führte António de Piacón-Sieta die Koalitionstruppen an. Im Februar 1721 starb Danadier in seinem Lustschloss in Bernabéu. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Peter II., der Verhandlungen einleitete, welche schießlich im April einen vorläufigen Waffenstillstand als Ergebnis hatten, woraufhin die Kämpfe ausgesetzt wurden. Der König sollte sein Amt antreten, die Generalstände aber wieder in der Hauptstadt einberufen. Am 10. Mai trat in Semesce ein adliges Vorparlament zusammen, das über die Wahlmodalitäten beraten sollte. Stattdessen übersandt die Versammlung unter Führung Sesíns aber am 20. Mai dem König einen umfassenden Forderungskatalog, der unter anderem mehr Einflussmöglichkeiten für den Hochadel vorsah. Peter sah die Forderungen als Affront an und wies sie energisch zurück. Bemüht, seine ungeschmälerte Macht zu demonstieren, ließ er am 23. Mai 1721 den populären oppositionellen Bürger Luis Otero enthaupten, woraufhin es in der Hauptstadt zu großen Erhebungen gegen den König kam. Von Agenten der Koalition angetrieben, eskalierte der Aufstand und führte noch in der Nacht zum 24. Mai zum Sturm des Königspalastes am Plazarenya, in dessen Zusammenhang der König und der 14-jährige Thronfolger auf dem Fluchtversuch erschlagen wurden. Der Rest des Königshofs floh nach Noyar und auch die Ständeversammlung musste vor der unterschätzten Eskalation ins nahe Vierna flüchten. In Semess selbst übernahm der Bürgerliche Simón Bernord die Führung, rief die Republik aus und stellte ein Heer freiwilliger Bürger und Bauern des Umlandes auf, um die Stadt gegen das königliche Heer unter Carles de Viena zu verteidigen. Dieser aber wagte keinen Angriff, sondern übergab seine Truppen an Sesín, dem er sich unterstellte.