Karl von Interea
Karl V. von Interea (von Micolinien) (*1338, †1391) war der erste König von Micolinien (1386-1391) nach der Union von Alagua und der Micolinischen Revolution sowie der erste Herrscher aus dem Haus Interea. Vor seiner Erhebung zum König war er als Herzog von Lonéa und Graf von Interea bekannt.
Karl von Interea war der Sohn von Heinrich von Interea und seiner Frau Antonia von Óstino. Er war ein Enkel Martins von Interea, der wiederum ein posthum geborener unehelicher Sohn des micolinischen Königs Karl III. aus dem Haus Salua war. Das Haus Interea war damit eine illegitime Nebenlinie des Hauses Salua, das in seiner Hauptlinie mit dem Tod Roderichs I. 1310 in männlicher Linie ausgestorben war. Karl von Interea war ein Urenkel König Karls III. und darüber hinaus über seine Großmutter Anna von Gerón mit den Königen aus dem Haus Redanior verwandt. Als sich Sergi I. aus dem Haus Redanior 1315 gegen Heinrich von Kont durchsetzen konnte, wurde er von Karls Großvater Martin von Interea unterstützt. Seither waren die Interea eng mit den aus Perucía stammenden Redanior-Königen verbündet. Sergi I. war es auch, der Martins Tochter Maria von Interea heiratete, der Familie Interea das Herzogtum Lonéa verlieh und sie damit de facto als führende Familie im micolinischen Hochadel etablierte.
Die Ehe zwischen Karls Vater Heinrich und Antonia von Óstino war mit dem Ziel geschlossen worden, die führenden Adelsfamilien der verschiedenen Reichsteile Sergis I. enger aneinander zu binden. Karl selbst wurde zusammen mit dem Prinzen Johann von Perucía am königlichen Hof erzogen und stellte sich als junger Erwachsener in den Dienst König Sergis II. (seit 1354 regierend), dessen enger Gefolgsmann er wurde. 1362/63 wurde Karls Vater Heinrich von Interea von König Sergi II. als Vikar im micolinischen Reichsteil eingesetzt. Karl selbst heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau 1367 die Tochter König Sergis, Juliana von Redanior und wurde damit zu einem der Prinzen des Königshauses.
1368 schwor Karl zusammen mit seinem Vater auf die Konvention von Marbore, die den Erbteilungsplan Sergis II. sanktionierte, der vorsah, die micolinische und die sagradische Krone unter seinen Söhnen Johann und Gabriel zu teilen. Dieser Plan wurde durch den Tod Johanns 1369 freilich niemals wirksam. Im Jahr 1370 setzte der erkrankte König Sergi in Micolinien einen Regentschaftsrat ein, dem zunächst Karls Vater vorsaß. 1372 jedoch starb Heinrich von Interea und Karl folgte seinem Vater als Herzog von Lonéa, Graf von Interea und als Haupt des micolinischen Regentschaftsrates nach. Dies entsprach seiner herausragenden Stellung innerhalb des micolinischen Hochadels.
Als Mitglied des Regentschaftsrates kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Karl von Interea und dem königlichen Statthalter Stefan von Noyar, die zu einem starken Abkühlen der Beziehungen zwischen dem micolinischen Adel und dem Königshaus führte. Als Sergi II. 1378 starb, verweigerten die micolinischen Stände dem neuen König Gabriel der Schöne zunächst die ihm zustehenden Huldigungen und forderten die Entlassung Stefans von Noyar, was Gabriel schließlich zusichern musste. Karl wurde nun wie einst sein Vater zum Vikar des Reichs benannt. Gabriel der Schöne misstraute Karl von Interea und dem gesamten micolinischen Adel aber zutiefst und setzte 1381 seinen Vertrauten Johann von Tesqué als Statthalter in Micolinien ein. Dessen rigider Konfrontationskurs führte zu starken Differenzen mit Karl, der sich nun immer stärker als Vertreter des micolinischen Adels, statt als Vertreter des Königs fühlte.
Johann von Tesqué übte - noch mehr als der bereits in Micolinien ungeliebte Stefan von Noyar - eine strikte sagrophile Herrschaft aus und verlieh hohe Ämter ausschließlich an Sagradier. Entgegen der micolinischen Tradition bestand er zudem darauf, verwaiste Lehen komplett für die Krone einzuziehen, anstatt sie unter den Adligen des Landes neu zu verteilen, und versuchte, die Finanzpolitik und die Administration des Reichs zu zentralisieren. Es kam daher seit 1383 immer wieder zu Unruhen, die sich gegen die Herrschaft Gabriels und seines Statthalters Tesqué richteten. Als Tesqué im Jahr 1385 die Steuern anhob und sich danach weigerte, eine Beschwerde-Delegation der micolinischen Stände unter Führung Karls von Interea zu empfangen, kam es schließlich zum Aufstand des micolinischen Adels, der den Grafen von Tesqué gefangen nahm (und später hinrichten ließ) und sich damit unmittelbar gegen den König stellte. Karl trat als Führer des Aufstands gegen seinen Schwager Gabriel auf. Binnen kurzer Zeit wurde der Aufstand zum Unabhängigkeitskrieg gegen Gabriel den Schönen und das Haus Redanior.
In der Koalition von Macedi erklärten die Stände unter Berufung auf den Erbteilungsplan Sergis II. und die Konvention von Marbore von 1368 die Herrschaft Gabriels in Micolinien und Perucía für unrechtmäßig und setzten den König damit ab. Nachdem Verhandlungen zwischen den micolinischen Ständen und dem König gescheitert waren, erhob sich Karl von Interea schließlich selbst zum König. Er berief sich auf seine unmittelbare Abstammung von Karl III. im Mannesstamm und auf die Erbrechte seiner Frau Juliana. Damit bezog er sich auf das Problem der Kinderlosigkeit Gabriels des Schönen, die Karl von Interea in der Tat als möglichen Erben der Krone erscheinen ließ. Die Stände bestätigten Karl schließlich als König und unterstützten ihn gegen Gabriel den Schönen. Lediglich das Haus Servette, das selbst Thronansprüche anmeldete, verweigerte anfänglich seine Zustimmung, konnte seine Position jedoch aufgrund inner-dynastischer Schwierigkeiten nicht durchsetzen.
In mehreren entscheidenden Schlachten (u.a. bei Mel Ladí und Salazia 1387) konnte sich Karl von Interea schließlich gegen Gabriel den Schönen durchsetzen. Dieser musste im Vertrag von Álbero 1390 auf die Herrschaft in Micolinien verzichten, behielt aber u.a. die peruzinische Krone. Karl wurde damit als König des unabhängigen micolinischen Königreichs bestätigt. Auch das Haus Servette erkannte seine Herrschaft nun an, zeigte sich in der Folge aber nicht gewillt, sich Karl faktisch unterzuordnen.
Karl V. starb schließlich ein Jahr nach dem Vertrag von Álbero im Alter von 51 Jahren. Nachfolger wurde sein gleichnamiger Sohn als Karl VI. von Micolinien.