Maria II. Franziska
Maria II. Franziska (von Sagradien) (*1725, †1759) war als Tochter Marias I. und Lukas I. regierende Königin von Sagradien und Cuentez (1744-1747). Sie regierte gemeinsam mit ihrem Ehemann Anton II. Ramírez von Piacón-Sieta, wurde infolge einer Hofintrige aber 1746/47 für abgesetzt erklärt.
Jugend und Thronbesteigung
María Francisca Grâcia Teresa Carlota Leonor de Santori wurde 1725 als älteste Tochter von Königin Maria I. Luise, Erbin der Krone Sagradiens, und ihrem Ehemann Lukas I., König von Cuentez, geboren. Sie war damit bis zur Geburt ihres jüngeren Bruders Joán Manuel 1735 und nach dessen frühem Tod 1738 erneut präsumptive Erbin sowohl der sagradischen als auch der cuentezischen Linie des Hauses Santori und der jeweiligen Königswürden. Mit 16 Jahren heiratete Maria Franziska 1742 ihren Stiefbruder Graf António Ramírez de la Sieta, Sohn von Lukas I.' erster Ehefrau Maria von Micolinien und deren erstem Ehemann Joán António de Piacón-Sieta.
Die Ehe zwischen der 16-jährigen Maria Franziska und dem 27 Jahre älteren António Ramírez blieb mehr als unglücklich. Der einzige gemeinsame Sohn Don Filipe, Thronfolger des Königreichs, starb bereits mit drei Monaten. Ihr Ehemann wiederum war stärker mit politischen und militärischen Anliegen beschäftigt, als mit seiner Ehe. Ob Maria aber, wie später von ihren Gegnern behauptet, bereits zu dieser Zeit eine Affäre mit dem Grafen von Montxerent hatte, ist noch immer nicht geklärt.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann wurde sie gemäß der Nachfolgeregelung ihres Vaters nach dessen Tod 1744 von den sagradischen Generalständen zur Königin ausgerufen. Da sich Sagradien seit 1740 aber im Krieg mit Frankreich befand, wurde die Nachfolgeregelung vom französischen König Ludwig XV. und den mit ihm verbündeten Mächten nicht anerkannt. Die Ausrufung des Servettensischen Großherzogs Louis-Gabriel de Vienne zum König durch Frankreich führte zum Thronfolgekrieg. Maria Franziska und Anton Ramírez wurden dabei u.a. vom micolinischen König Karl X. unterstützt, der sich Hoffnungen auf den Gewinn des Großherzogtums Servette machte. In einem Vertrag mit Micolinien sicherten Maria und Anton daher dem Verbündeten die Servettensischen Lande zu.
Krieg und Absetzung
In der Abwesenheit des militärisch erfahrenen António, der persönlich in den Krieg zog, regierte Maria Franziska in Semess mithilfe des Klerikers Olivério de Crampas, der aber nicht verhindern konnte, dass es am Hof zu mehreren Skandalen und Machtintrigen kam, die das Ansehen des Königs und der Königin nachhaltig kompromittierten. 1745 wurde Olivério de Campas von einer Oppositionsgruppe gestürzt, bevor 1746 Francisco de Montxerent – ein einflussreicher Berater und mutmaßlicher Liebhaber María Franciscas - mit Gewalt die Macht übernahm. Die Intrigen am Hof und die dauernde Abwesenheit Antónios wurden begleitet von einer groß angelegten Propagandaaktion Louis-Gabriels für sein Königtum und gegen das der sündhaften Maria und ihres Liebhabers. Die Anhängerschaft der französischen Kandidatur wurde besonders im Klerus und Teilen des Hochadels immer größer und einflussreicher, während die angebliche Betrügerin Maria und der mutmaßlich betrogene António immer mehr an Macht und Sympathien verloren.
Als António II. 1746 in der Schlacht von Cavalla unterlag und von französischen Truppen festgenommen wurde, kam es in Semess zum Putsch gegen das Regime Montxerents und Marias. Die Generalstände wurden einberufen, die wiederum Königin María Francisca für abgesetzt erklärten und des Landes verwiesen und ihren Günstling zum Tode verurteilten. Mit der Absetzung Marias II. nahm die schillernde, fast 300-jährige Herrschaft des Hauses Santori auf dem sagradischen Thron und die noch längere Herrschaft der Familie in der Stadt Tulis ein unrühmliches Ende. Maria Franziska floh zu ihrem vermeintlichen Verbündeten Karl von Micolinien, der die Königin jedoch im Rahmen des Friede von Tinagua 1747 zum freiwilligen Thronverzicht zwang und anschließend in die Obhut eines Franziskaner-Klosters in Norden Micoliniens übergab. Dort starb Maria Franziska in aller Einsamkeit im Jahr 1759.
Leben nach dem Königtum
Bis zu ihrem Tod war sie formell weiterhin mit António Ramírez verheiratet. Die Diskussionen um dessen unglückliches Königtum zogen sich derweil noch einige Wochen nach der Absetzung Marias II. bis zum Frühjahr 1747 hin. Derweil überwinterte der Großherzog von Servette in Viça und nahm Verhandlungen mit den Generalständen über sein eigenes Königtum auf. Schließlich setzten sich in der Versammlung die Anhänger Louis-Gabriels durch und António II. wurde des Thrones enthoben. In französischer Gefangenschaft musste er seiner Abdankung zustimmen. Die Generalstände erhoben gleichzeitig Louis-Gabriel als Gabriel VIII. zum neuen sagradischen König, der bereits große Teile des Landes erobert und sich in geheimen Verhandlungen bereit erklärt hatte, den Eid auf die Codices Magna von 1722 zu leisten. Alle Versuche António Ramírez', sein Königtum gewaltsam zurück zu erlangen, scheiterten anschließend. Er starb 1770 im britischen Exil.