Erste Sagradische Republik

Aus Sagradien
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Als Erste Sagradische Republik, Alte Republik (La República Vella) oder Ständerepublik wird in der republikanischen Geschichtsschreibung Sagradiens das neunjährige Interregnum zwischen der Absetzung Danadiers II. 1721 und der Thronbesteigung seiner Tochter Maria I. 1730 bezeichnet, in der Sagradien ohne König regiert wurde. Die Zeit ist auch unter dem Begriff Sántori-Interregnum oder Interregnum von 1721-1730 bekannt.

Vorausgegangen war der Bürgerkrieg zwischen Royalisten und Ständischen 1713-1718 sowie das zweijährige Kondominium König Danadiers II. mit den Generalständen. Nach dessen Scheitern wurde Danadier II. abgesetzt und die Stände übernahmen die absolute Herrschaft.

Das republikanische Interregnum lässt sich grob in drei Phasen gliedern:

Auf die Republik folgte 1730 mit der Krönung Marias I. zur Königin die Rückkehr zum ständisch-monarchischen Kondominium (auch als Ständekönigtum oder Sántori-Restauration bezeichnet).

Die Bezeichnung Erste Republik ist umstritten und wird von einigen Historikern heute gemieden. Von Monarchisten wurde diese Phase traditionell als Interregnum bezeichnet. Erst nach der Ausrufung der Sagradischen Republik im Jahr 1893 setzte sich der Begriff Erste Republik für die königslose Zeit 1721-1730 durch, die als Vorbild für die sogenannte Zweite Republik fungierte.

In der heutigen sagradischen Geschichtsschreibung gilt die Zeit der Republik als Teil der längeren sogenannten Ständezeit (1719-1760), in der Sagradien im Wesentlichen durch die Generalstände in Form einer ständischen Allein- oder Mitherrschaft regiert wurde. Gelegentlich wird daher auch die gesamte Zeit des sogenannten Ständekönigtums (1730-1757) bis zur Amtszeit Gabriels VIII. zur Ersten Republik gerechnet.

Entstehung

Den Beginn der Republik markierte die Absetzung Danadiers II. im Generalakt vom 20. Februar 1721 durch die sagradischen Generalstände. Vorausgegangen war ein erfolgloser royalistischer Staatsstreich gegen die Ständeherrschaft, die mit dem Ende des Bürgerkriegs 1719 begonnen hatte. Mit den Codices Magni Libertatum hatte sich Danadier 1719 zum Kondominium mit den Ständen verpflichten müssen, doch war es in der Folge zu häufigen Auseinandersetzungen und royalistischen Gegenmaßnahmen gekommen. Nach einer Phase der Radikalisierung und dem erfolglosen Januarstaatsstreich 1721 floh der König außer Landes und die Stände beriefen sich auf die Codices Magni, um den König abzusetzen.

In der Folge war Sagradien de facto, aber nicht de jure eine Republik. Stattdessen wurde die Zeit der absoluten Ständeherrschaft als Interregnum betrachtet, bis sich ein König finden würde, der die Rechte der Stände vorbehaltlos anerkennen würde. Als Reichsverweser wurde eine Generaldelegation der Stände unter Vorsitz des Ersten Generaldelegierten Herzog Joseph-August von Sessin bestimmt. Zum mächtigsten Mann im Reich stieg dessen Sekretär Graf Luis Ambrôsio de Bonavilla auf.

Radikalisierung und Maiaufstand

Die Republik war von Beginn an durch Gegensätze zwischen einer hochadligen Partei auf der einen und einer radikalen, teils auch republikanisch gesinnten Gegenpartei auf der anderen Seite geprägt, die um die Vorherrschaft stritten. Nachdem ein Putschversuch der Radikalen gegen die Regierung Bonavillas im Mai 1721 gescheitert war, ging die mächtige Adelspartei hart gegen die Verschwörer vor. Führende Vertreter der radikalen Opposition wurden hingerichtet, darunter der Semestiner Bürger Luis Otero, dessen Hinrichtung am 23. Mai 1721 zum Ausbruch des blutigen Maiaufstands in der Hauptstadt führte. Dieser richtete sich vor allem gegen den in den Ständen führenden Hochadel und wurde durch die schlechte wirtschaftliche Lage angetrieben.

In der sogenanten Maiblutnacht vom 23. auf den 24. Mai 1721 stürmte ein wütender Mob den Königspalast am Plazarenya, versuchte Bonavillas und des Herzogs von Sesin habhaft zu werden und tötete mehrere Leibwachen des Regenten. Der Herzog konnte entkommen und floh nach Noyar, die Ständeversammlung musste vor der unterschätzten Eskalation ins nahe Vierna flüchten, wo sie sich aber endgültig zerstritt und spaltete.

Semestiner Republik

In den Morgenstunden des 24. Mai rief die Partei der Radikalen unter der Führung des Kleinadligen Simón Bernord offiziell die Republik aus, erklärte die regierende Generaldelegation der Stände für abgesetzt und übernahm mit einem Heer aus freiwilligen Baronen, Bürgern und Bauern die Herrschaft in der Hauptstadt. Ein Rat der Sieben wurde als diktatorische Regierung eingesetzt, die Führung übernahm Simón Bernord. Er erklärte die Monarchie für beendet und das Volk zum Souverän, in dessen Namen der Rat zu handeln glaubte. Die Kammern der Stadt wurden nun mit Anhängern der Sieben besetzt und zu wesentlichen Vollzugsorganen erklärt.

In der Folge weitete sich der Volksaufstand von Semest aus auf das gesamte Land aus. Im Mai und Juni bildeten sich auch in anderen Städten und teilweise auch auf dem Land radikale Räte und Abordnungen, die sich teilweise den Sieben in Semest unterstellten, teilweise aber auch als eigenständiges Vollzugsorgan auftraten. Die geschockten Generalstände bzw. das was von ihnen übrig geblieben war, aktivierten das stehende Heer unter Carles de Vierna gegen die Usurpatoren in der Hauptstadt.

Den Höhepunkt der Gewalt markeirte die Ermordung des Herzogs von Sesin durch radikale Attentäter am 24. Juli 1721. Royalisten und ehemalige Koalitionäre mussten sich nun gegen die Radikalen behaupten und verbündeten sich zu diesem Zweck. Mehrere Heere der Royalisten und Koalitionäre gingen in der Folge gegen die Aufständischen vor. Im Herbst kam es zur Belagerung von Semest, das im November 1721 eingenommen werden konnte. Simón Bernord wurde auf der Flucht festgenommen und schließlich als Verräter angeklagt und hingerichtet. Die Aufstände der Radikalen sowie diverse Bauernaufstände zogen sich noch bis Mitte 1722 hin und konnten erst dann weitgehend beendet werden.

Philippkarlistenkrieg

Mit der Niederschlagung der radikalen Semestiner Republik im Herbst 1721 wurde ein Weg zur mittelfristigen Rückkehr zur Monarchie eingeschlagen. Im Januar 1722 trat eine neue Ständeversammlung zusammen und wählte einen neuen Staatsrat an ihr Spitze, der von Vertretern des Hochadels dominiert wurde. Die neue Führung der Republik leitete Verhandlungen mit potenziellen Thronanwärtern ein und suchte nach einer Erneuerung des Kondominiums aus König und Ständen. Der aussichtsreichste Thronanwärter Philipp Karl von Viça, Bruder von Danadier II. und von Frankreich unterstützt, verweigerte aber die Anerkennung der Codices Magni und zog eine militärische Entscheidung vor.

Mit einem französisch unterstützten Heer fiel Philipp Karl in Amôria ein, um zunächst sein Herzogtum und anschließend die Krone zu erobern. In mehreren Schlachten gelang es Philipp Karl jedoch nicht, sich gegen das Ständeheer unter der Führung von Prinz Johann Franz von Cuentez zu behaupten. In der Folge eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen der Ständepartei und den sogenannten Philippkarlisten aber zum erneuten Bürgerkrieg (Philippkarlistenkrieg). Im Sommer 1724 war der militärische Widerstand Philipp Karls vorerst besiegt, auch wenn es in den Folgejahren immer wieder zu Versuchen der Philippkarlisten kam, den Thron zu erobern. Im Jahr 1725 verkündeten die Generalstände offiziell das Ende der Bürgerkriege.

Rückkehr zur Monarchie

Das Bündnis der Generalstände mit Johann Franz von Cuentez und dessen militärischer Sieg gegen die Philippkarlisten ebneten schließlich den Weg zur Rückkehr zum monarchischen Regiment. Wesentlicher Schritt dahin war die Ernennung Johann Franz von Cuentez zum Oberbefehlshaber der ständischen Truppen im Krieg gegen die Philippkarlisten. Danach fungierte der Kriegsheld Johann Franz als Prinzregent der Republik und stieg de facto in die Position eines Ersatzmonarchen auf.

Mit der Hochzeit Johann Franz' mit Maria von Santori, einer Tochter Danadiers II., im Jahr 1727 wurde ein Zeichen der Versöhnung zwischen Royalisten und Ständischen gesetzt. Nach dem republikanischem Intermezzo kehrte Sagradien au diesem Weg zum sogenannten Kondominium zwischen König und Ständen zurück, das unter Danadier II. gescheitert war. Nach der Zeit der sogenannten Prinzregentschaft Johanns wurde Maria I. schließlich im Januar 1730 zur sagradischen Königin gekrönt, nachdem sie zuvor ihren Schwur auf die Codices Magni geleistet hatte. Diese wurden nun zum faktischen Grundgesetz der restaurierten sagradischen Monarchie.