Pier Ulisse

Aus Sagradien
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Pier Ulisse (*1877; † 1942) war ein mikolinischer Politiker und Staatsmann. Er war in den 1920er und 1930er Jahren die bestimmende Gestalt der mikolinischen Politik und Führer des Cartel National. Als solcher war er zunächst Innenminister und seit 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1942 Staatsminister des Landes. Seine Regierungszeit war geprägt vom Kampf der bürgerlichen Parteien gegen die marxistische Linke sowie vom Bürgerkrieg in Golen.

Als Parteiführer der katholisch-konservativen Rechtspartei schloss Ulisse 1926 ein Bündnis mit dem staatsliberalen Staatsminister Osvalt Camur und wurde in dessen Regierung Innenminister. In diesem Amt setzte er im Umgang mit den zunehmenden Autonomiebestrebungen in Golen auf eine harte Hand. Nach dem Sturz Camurs folgte ihm Ulisse selbst als Regierungschef nach und ereichte bei der mikolinischen Parlamentswahl 1930 einen Erdrutschsieg für seine konservative Nationalkoalition. Diesen Erfolg konnte er insgesamt drei Mal wiederholen.

Golenkrieg

Als Innen- und Staatsminister war Ulisse mit einer Reihe von Terror-Anschlägen der golisch-separatistischen FLG konfrontiert. Gegen gewaltsame Ausschreitungen ging er mit harter Hand vor und nahm die 1922 eingeräumten Autonomierechte Golens schrittweise wieder zurück. Als es am sogenannten "Schwarzen Samstag" 1934 zu den bisher schwersten Gefechten zwischen golischen Kämpfern und staatlicher Polizei gekommen war, setzte die Ulisse-Regierung schließlich das Statut aus und verhängte den Kriegszustand über Golen. Damit begann die heiße Phase des Golenaufstands, der zunehmend zum Bürgerkrieg zwischen staatlichen Einheiten und separatistischen Aufständischen eskalierte.

Über das harte Vorgehen der mikolinischen Nationalregierung in Golen kam es schließlich auch zu einer schweren außenpolitischen Krise mit dem Nachbarn Sagradien, das zunehmend Flüchtlinge aus den golischen Bürgerkriegsgebieten aufnahm. Die 1936 ins Amt gewählte linke Volksfront-Regierung in Semest weigerte sich, golische Flüchtlinge an Mikolinien aufzuliefern, sodass ihr von mikolinischer Seite vorgeworfen wurde, Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Zudem protestierte die mikolinische Zentralregierung gegen Pläne der Volksfrontregierung in Semest, den golischsprachigen Gebieten in Sagradien besondere Autonomierechte zu gewähren. Damit sollte ein weiteres Erstarken der sezessionistischen Bewegung verhindert und ein Überschwappen des Konflikts auf Sagradien verhindert werden. Servette sah darin jedoch eine Provokation und eine potenzielle Stärkung der Nationalisten in Alagua durch die sagradische Regierung.

In der folgenden internationalen Golenkrise 1936 kam es schließlich wiederholt zu Grenzverletzungen durch mikolinische Truppen, die auf sagradisches Territorium vordrangen, um - so die offizielle Begründung - terroristische Akte zu beenden und damit die Sicherheit des eigenen Landes zu gewährleisten. Die Regierung in Semest reagierte empört und beschwerte sich beim Völkerbund, der schließlich ein internationales Moratorium verhängte. Die zunehmend eskalierende Lage in Golen und der Erfolg der Autonomiebewegung in Sagradien führte im mikolinisch-golischen Konflikt zu einem Umdenken. Mit einem Waffenstillstand wurde die Lage 1937 vorerst befriedet, nachdem die golischen Kämpfer zunehmend geschwächt worden waren. Bereits 1936 hatten sich gemäßigte und radikalere golische Kräfte auf ein Bündnis geeinigt und unter der Führung von Valentin Cŏrpas von der Golischen Volkspartei eine gemeinsame provisorische golische Nationalregierung gebildet.

Im Accord de Malbranq erkannte die Regierung Ulisse die golische Regierung Corpas schließlich als Verhandlungspartner an und sicherte ein neues Autonomiestatut zu, sofern es gelänge, die Sicherheit für die Bevölkerung zu garantieren. Der Ausnahmezustand wurde daraufhin aufgehoben, doch zerbrach die golische Einheitsregierung wieder, als der radikalere Teil der Unabhängigkeitsbewegung Cŏrpas die Gefolgschaft verweigerte, sodass der Bürgerkrieg mit regelmäßigen Terroranschlägen der FLG de facto bis zum Tod Ulisses und darüber hinaus anhielt.