Unión Nacional
Die Unión Republicana (Republikanische Union), oft auch als Unionistische Partei bezeichnet, war eine politische Strömung und später eine Partei am konservativen Flügel des republikanischen Lagers zu Beginn der Zweiten Sagradischen Republik. Die Unionisten waren eine großbürgerliche Mitte-Rechts-Gruppierung, die ein liberal-konservatives Profil aufwies. Zwischen 1902 und 1909 stellte die Partei mehrere Regierungschefs. Nach einer Parteispaltung 1907 nannte sich der größere Teil der Partei Partido Republicano Conservador (später Partido Unionista), verlor aber zunehmend an Bedeutung und hörte schließlich 1924 auf zu bestehen.
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Unionisten in der Republikanischen Partei
Die Ursprünge der Unionisten liegen in der republikanischen Bewegung der späten Monarchie, die für eine Abschaffung des Königtums und die Errichtung einer demokratischen Republik eintrat. Als die Monarchie in der Januarrevolution 1891 gestürzt wurde, übernahm der gemäßigte Republikaner Luis Cavaller mit seiner Republikanischen Partei die Führung und führte die Republikaner bei der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung 1891 zu einem deutlichen Sieg über die zerstrittenen monarchistischen Parteien. In den ersten Jahren der Zweiten Republik dominierten die gemäßigten Republikaner (Moderatas), die sich für eine schrittweise Durchsetzung der republikanischen Ideale im sagradischen Staat und moderate Reformen einsetzten. Besonders der Umgang der jungen Republik mit ihren Kolonien sowie mit der mächtigen katholischen Kirche wurde bald zum Sprengsatz der republikanischen Linken. Die Dominanz der Moderatas führte 1894 zur Gründung des Partido Radical, der sich in Opposition zu den Gemäßigten stellte und weitergehende soziale und laizistische Reformen forderte.
Die verbliebenen Moderaten Republikaner sammelten sich in der Folge hinter den zwei bedeutenden Führungspersönlichkeiten der Partei José Delacrûce und Luciano Tropexas. Beide führten ihre eigenen Faktionen innerhalb der Republikanischen Partei an, die von den Zeitungen l'Amistá und l'Unión vertreten wurden. Die Anhänger Tropexas' wurden daher bald als Unionisten bezeichnet. Während die Liberales um Delacrûce, Ricardo Alemà und Francisco de Brentano für eine Zusammenarbeit mit den Radikalen eintraten und zu moderaten Reformen bereit waren, lehnten die Unionisten das Programm der Radikalen rundweg ab und sahen diese als Bedrohung für die junge Republik an. Sie vertraten hauptsächlich die Interessen des Großbürgertums, höherer Beamter sowie derjenigen Vertreter der alten Eliten, die ihren Platz in der Republik suchten. Auch ein Bruch mit der Kirche wurde von den Unionisten abgelehnt. In dieser Hinsicht traten die Unionisten das Erbe des Regeneradores an, die den rechten Flügel des Liberalismus in der späten Monarchie repräsentiert hatten.
Gründung der eigenständigen Unión Republicana und Koalition der Moral
Nach der Wahl zur zweiten Nationalversammlung im Jahr 1895 begann sich Tropexas zunehmend von der Gruppe um Delacrûce zu lösen und ein eigenes politisches Programm zu verfolgen. Die von Delacrûce 1897 versuchte Republikanische Wiedervereinigung mit den Radikalen führte schließlich zum Ausscheiden Tropexas' und seiner Anhänger aus der Gesamtpartei und zur Gründung der Unión Republicana Liberal i Moderata. Der gescheiterte Putsch von 1898 brachte den Unionisten großen Zulauf, da sich der Partei nun auch zahlreiche ehemalige Monarchisten anschlossen, die sich gegen den Putschversuch wandten. Bei der Parlamentswahl 1899 wurden die Unionisten mit 96 Mandaten dritte Kraft im republikanischen Lager und gingen in die Opposition zur neuen radikal-liberalen Mehrheit, die sich anschickte, eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche sowie eine umfassende Landreform zu verabschieden.
In der Opposition kam es zur weiteren Annäherung der Unionisten an die antirepublikanische Rechte sowie die Nationalrepublikaner Daniel Lafontáns. Gemeinsam mit den monarchischen Kräften opponierten die Unionisten gegen die Reformpolitik der Linken und positionierte sich so im anti-laizistischen Lager, das sich bei der Parlamentswahl 1903 dank einer gezielten Bündnisstrategie gegen die Linke durchsetzen konnte. Der Unionist Miguel Fernando Luisanto, nach dem Tod Tropexas' im Jahr 1901 als neuer Parteichef gefolgt, wurde nun Regierungschef und bildete eine "Regierung der Moral" zusammen mit Lafontáns Nationalrepublikanern und einzelnen gemäßigten Monarchisten.
Spaltung 1905/07
Das Bündnis der Rechten blieb jedoch nicht spannungsfrei. Bei den Präsidentschaftswahlen 1905 konnte sich die Mehrheit zunächst nicht auf einen gemeinsamen Bewerber einigen. Die Union hielt an ihrem Bewerber Joán Martêu fest, konnte aber keine Mehrheit für diesen sichern. Im dritten Wahlgang kam es schließlich zu einer Spaltung der Fraktion. Die offizielle Parteiführung hielt an Martêu fest, während sich eine Minderheit unter Führung von Francisco Britón für den von den anderen Rechtsparteien vorgeschlagenen Kompromisskandidaten Joán Cardinal aussprach, der schließlich auch die meisten Stimmen auf sich vereinte. Das Verhältnis zwischen der Parteiführung um Luisanto und der Minderheit um Britón blieb danach gespannt. Im Vorfeld der Parlamentswahlen 1907 kam es schließlich zur Parteispaltung und zu einer Reihe von Konkurrenzkandidaturen der beiden Unionistischen Faktionen, die teilweise als „Unión Republicana“ und „Partido Unionista“ gegeneinander antraten. Nach der Wahl konstituierten sich zwei getrennte Fraktionen im Parlament, von denen überraschend die Britóns eine Mehrheit an Abgeordneten hinter sich sammeln konnte. Die von Britón geführte Fraktion nannte sich zunächst ebenfalls Grupo Unionista, musste sich bald aber umbenennen, woraus der Partido Republicano Conservador hervorging.
Der Partido Republicano Conservador und der Niedergang der Unionisten
Britón wurde von Joán Cardinal zum Ministerpräsidenten ernannt, die Alt-Unionisten traten dessen Mitte-Rechts-Kabinett erst wenige Monate später bei. Darüber entzündete sich aber erneut Streit in der Partei, sodass sich der liberale Flügel im Frühjahr 1908 der aus dem PRL hervorgegangenen Alianza Republicana anschloss. Mit der Spaltung der Partei zerbrach bald auch das Bündnis der Rechten. Der Bruch der Koalition im Jahr 1909 und die Auflösung der Kammern führte zu Neuwahlen, die für die Rechte zu einem Debakel wurde. PRC und Rest-Union kamen zusammen auf nicht einmal 30 Abgeordnete, während die Parteien der Linken die Parlamentsmehrheit zurückerobern konnten. Die Führerschaft im rechten Lager hatte nun die katholische Volksaktion übernommen, die zur stärksten Kraft der Opposition wurde. Mit der neuerlichen Niederlage der Unionisten bei den Wahlen 1913 hörte die alte Unionistische Partei de facto auf zu bestehen, ihre Abgeordneten hatten sich bereits zuvor mehrheitlich der katholischen Volksaktion, dem ebenfalls dezimierten PRC oder den liberalen Republikanern angeschlossen. Der PRC Britóns versuchte danach noch einmal vergebens, an die Tradition der Unionisten anzuknüpfen und nannte sich seit den Wahlen 1913 Partido Unionista, es konnten jedoch nur 27 Abgeordnete unter diesem Banner in die Kammer einziehen. Die nun als „Partido Unionista“ firmierende Fraktion des PRC schloss sich im Vorfeld der Parlamentswahl 1917 der katholischen Volksaktion an und kandidierte mit dieser in einer Listengemeinschaft. Seitdem stand die PRC/PU in enger Abhängigkeit zur Volksaktion, ehe die dezimierte Partei 1924 zusammen mit der Acción Popular, dem Überbleibsel der alten Unionistischen Partei und anderen Rechtsparteien in der katholisch-konservativen Unión Popular aufging.