Geschichte der Sagradischen Republik
Geschichte der Zweiten Republik
Die Weltwirtschaftskrise und die Präsidentschaft D’Alemas (1930-1934)
Die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 stürzte Sagradien in eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 1930 rapide an und die Wirtschaftsleistung nahm ab. Soziale Krisen überströmten das Land.
Die Parlamentswahlen im November 1930 standen bereits im Zeichen der Krise und brachten einen deutlichen Rechtsruck. Die Parteien der Mitte, welche die Republik geprägt hatten, Liberale und Radikale, verzeichneten herbe Verluste, während nicht nur die katholisch-konservative Volksunion und die nationalistische PAN an Zustimmung gewannen, sondern auch die Faschisten von León Francês, welche ihren Sitzanteil von 4 auf 25 erhöhen konnten. Damit konnte der „Bloco Nacional“ aus UP, PAN und Landbund zwar keine absolute, aber eine relative Mehrheit der Sitze gewinnen. Ministerpräsident Daniel La Ponte von der rechtsliberalen ARD, der bereits im September seine Mehrheit im Parlament verloren hatte, reichte seinen Rücktritt ein, doch erst im Januar 1931 konnte eine neue Regierung gebildet werden. UP-Führer García D’Alema, bereits als Vizeministerpräsident der starke Mann im Kabinett La Ponte, wurde nun zum Ministepräsidenten ernannt. D’Alema bildete ein Rechtskabinett des siegreichen Nationalen Blocks, dem erstmals auch die nationalistische PAN angehörte, während die Zentrumsparteien ihre Unterstützung angekündigt hatten.
Die Regierung D’Alema erreichte ihr Ziel, ein umfangreiches öffentliches Kürzungsprogramm zur Überwindung der Wirtschaftskrise nicht. Als die Liberalen ihre Unterstützung im Frühjahr 1932 aufgekündigt hatten, erbat D’Alema bei Präsident Domênco Scalfín die Auflösung des Parlaments, der diesem Wunsch entsprach und Neuwahlen für den April 1932 festsetzte. Bei den Wahlen standen sich die Parteien der Linken und erneut der Nationale Block gegenüber, der nun in einer Listengemeinschaft antrat, um stärker vom Wahlsystem zu profitieren. Wieder errang der Bloco Nacional eine relative Mehrheit, verfehlte aber klar die absolute Majorität im Parlament. Die unabhängig vom Bloco antretende faschistische Rechte verbesserten sich nochmals auf 34 Sitze in der Kammer. Die gemeinsam angetretenen Zentrumsparteien verweigerten dem Block die Unterstützung, woraufhin Präsident Scalfín ein Kabinett Celano López technisches Kabinett aus Vertretern des Zentrums und einzelner „rechter Persönlichkeiten“ unter der Führung des parteilosen Bürokraten Martín Celano López ernannte. D’Alema wurde im neuen Kabinett Innenminister.
Im August 1932 wurde ein neuer Präsident der Republik gewählt. Mit der Unterstützung seines Nationalen Blocks setzte sich García D’Alema schließlich im dritten Wahlgang gegen seine linken Mitbewerber durch, nachdem La Ponte als Bewerber des Zentrums zurückgezogen hatte, und wurde damit Nachfolger von Domênco Scalfín. Stärker als dieser sah D’Alema seine Rolle in einer aktiven Amtsführung und hatte von Beginn an das Ziel, eine autoritäre Staatsführung auszuüben und Regierungen seines Vertrauens zu ernennen. Die Macht der zersplitterten Nationalversammlung sollte zurückgedrängt werden. Als einen seiner ersten Schritte löste D’Alema die Kammern auf und setzte damit die zweiten Wahlen innerhalb eines Jahres an, nachdem sein Nachfolger im Amt des UP-Chefs Domênco Santes vergeblich versucht hatte, als neuer Ministerpräsident einer Rechtsregierung eine neue Mehrheit hinter sich zu bringen.
Die Dezemberwahlen des Jahres 1932 brachten schließlich eine deutliche Stärkung der Ränder. Die rechtsextremen Parteien erhielten 57, die Kommunisten 85 Mandate im Unterhaus. D’Alemas Ziel einer absoluten Mehrheit für seine Volksunion und ihre Verbündeten scheiterte abermals, was diesen in seiner antiparlamentarischen Gesinnung bestärkte. Der parteilose Pietro Manuel wurde mit der Regierungsbildung beauftragt, Ziel war wieder ein „Kabinett der Persönlichkeiten“, das unabhängig von Parteikämpfen regieren sollte. Für die ersten drei Monate des Jahres 1933 unterstützten auch die Zentrumsparteien und die Radikalen das Kabinett, das aber bereits im März 1933 scheiterte. D’Alema änderte nun seine Strategie. Santes wurde wieder Premierminister einer Minderheitsregierung des Nationalen Blocks und D’Alema begann die Umarmung der Faschisten. Mit den Stimmen der rechten Mehrheit erhielt die Regierung Santes im April 1933 für ein halbes Jahr außerordentliche Gesetzgebungsbefugnisse zur Behebung der sozialen Krise.
Der indirekte Einfluss der Faschisten auf die Regierung und der zunehmend staatlich sanktionierte Terror der Truppisten führte im ganzen Land zu einer Radikalisierung der Lage. Im ganzen Land standen sich seit den Dezemberwochen 1933 rechte und linke Schlägertruppen und paramilitärische Verbände gegenüber. Die kommunistischen Roten Garden stellten sich den rechten Aktionstruppen entgegen und versuchten vielerorts, die Revolution auszulösen. Die Regierung Santes reagierte – von D’Alema bestärkt – mit eiserner Hand gegen die Rotgardisten, während die Truppisten vielerorts freie Hand erhielten. Nach dem Weihnachtsaufstand 1933 erklärte D’Alema den nationalen Notstand, verhängte das Kriegsrecht und setzte das Militär ein. Im Januar 1934 wurden zahlreiche Truppistenverbände offiziell zu Hilfstruppen des staatlichen Militärs ernannt. Der Präsident konnte nun mit der Gegenzeichnung der von ihm ernannten Regierung umfangreiche gesetzgeberische Maßnahmen einleiten und damit mehr und mehr am Parlament vorbei regieren. Zwar konnte die Nationalversammlung die Maßnahmen wieder außer Kraft setzen, dieser aber gegen die rechte Mehrheit kaum durchsetzen. Das Dekret vom 25. März 1934 machte es dem Staat möglich, „Bedroher der öffentichen Sicherheit“ auch schon auf Verdacht festzusetzen. In der Folge wurden im ganzen Land Kommunisten und Sozialisten unter Arrest gestellt. Spätestens nun hatte sich Sagradien in ein autoritäres Regime verwandelt. Die Versuch der Linken, über parlamentarischem Weg gegen die Regierung vorzugehen scheiterte. Ein Misstrauensvotum der Opposition gegen die Regierung Santes vom Oktober 1934, das nach einer Spaltung der faschistischen Rechten geglückt war, blieb praktisch folgenlos, da D’Alema lediglich eine Kabinettsumbildung vornahm, die gemäßigten Kräfte aus der Regierung entfernte, den Armeechef Oscar Romero Castro und den Führer des rechten Flügels der UP, Manuel Álamo zu Ministern ernannte und anstelle Santes’ den bisherigen Innenminister Joán César Negrín mit dem Premieramt betraute (Kabinett Negrín. Mit Santiago Laval wurde gleichzeitig der Führer der Opposition verhaftet.
Blutherbst 1934 und die Regierung Capón-Dini
Die Kabinettsumbildung war der Auftakt für den ereignisreichen Herbst 1934, der als "Blutherbst" in die Geschichte einging. Am 30. Oktober 1934 wurde Präsident García D’Alema von einem kommunistisch motivierten Attentäter erschossen. Sofort verhängte die Regierung Negrín eine allgemeine Ausgangssperre, löste die Sitzung der Nationalversammlung auf und bezichtigte die Kommunistische Partei eines Umsturzversuchs. Im ganzen Land kam es daraufhin zu einer neuerlichen Eskalation und zu heftigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Linken und Rechten. Die aufgehetzte Menge stürmte die kommunistische Parteizentrale und tötete dabei einige Mitarbeiter der Parteiführung, nur wenige Stunden später, am Morgen des 1. November 1934 wurde der KP-Chef Lorenzo Sabal von Truppisten gefangengesetzt und ermordet. Noch in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1934 setzte Faschistenführer León Francês zum „Marsch auf Semess" an und versuchte durch einen Putsch, die Macht zu übernehmen. Francês’ Sturmtruppen nahmen binnen weniger Stunden den Regierungspalast ein und belagerten den Präsidentenpalast. Die Regierung Negrín, von den Ereignissen überrannt, floh aus der Stadt, Interimspräsident Luciano Capón, der als Senatspräsident nach dem Tod D’Alemas zum provisorischen Staatsoberhaupt aufgestiegen war und sich zur Zeit des versuchten Faschistenputsches im Ausland befand, reagierte schnell und setzte sich mit Teilen des Militäroberkommandos in Verbindung, die er als republiktreu erachtete.
Nach wenigen Stunden bereits stürmten in einem Gegenputsch Militärtruppen unter General Alfonso Cabarel den Platz vor dem Regierungspalast und schlugen den faschistischen Putschversuch nieder. Der Preis für die militärische Hilfe der Republikaner war aber hoch. Das Militär forderte Einfluss auf die Regierungsbildung. Capón setzte sich mit dem Präsidenen der Abgeordnetenkammer in Verbindung und schilderte ihm die Situation. Dieser riet ihm zur Ernennung einer "schlagkräftigen Regierung". Schließlich gab er nach und ernannte aus Angst vor einem Militärputsch Cabarel zum neuen Regierungschef. Dieser bildete nun eine Regierung, die hauptsächlich aus Generalitätsmitgliedern bestand und den Charakter einer Militärregierung besaß. Eine von Truppen Cabarels bewachte Sitzung der Nationalversammlung erkannte die neue Regierung trotz erheblicher Bedenken aufgrund des Militärcharakters an und erteilte ihr außerordentliche Vollmachten, um einem faschistischen Machtgewinn zuvorzukommen. Luciano Capón wurde zudem offiziell zum neuen Präsidenten der Republik gewählt.
Die Militärregierung schlug den Faschistenaufstand mit harter Hand nieder, verbot die die Aktionstruppen sowie die Faschistische Front von León Francês und stellte die Ordnung wieder her. Führungsstreit innerhalb des Kabinetts führte jedoch bald zu deren Demission. Cabarel erklärte am 1. Dezember seine Regierung für beendet und empfahl Capón, ein reguläres Kabinett unter der Führung eines angesehenen Unabhängigen einzusetzen, um sich zumindest die Unterstützung der republikanischen Kräfte zu sichern. Capón ernannte nur einen Tag später am 2. Dezember 1934 den unabhängigen Nationalbankpräsidenten Sergio Rafael Dini zum neuen Ministerpräsidenten. Dini sollte ein unabhängiges Präsidialkabinett leiten, dem Cabarel als Armeeminister mit besonderen Befugnissen angehörte.
Die Lage blieb jedoch angespannt, da sich die Gegner Cabarels im Militär gegen die Republik wandten. Der rechte Militärflügel unter der Führung der Generäle Mariano de Vicentis und Gustavo Mairas setzte am 5. Dezember 1934 zu einem neuerlichen Militärputsch an, der jedoch scheiterte. Zwar konnten Vicentis und Mairas das Regierungsgebäude einnehmen und erhielten das Wohlwollen der Truppisten, die Verwaltung verweigerte jedoch ihre Zustimmung und ein von Sozialisten und Kommunisten gemeinsam organisierter Generalstreik legte das öffentliche Leben lahm. Die Generäle mussten schließlich aufgeben und wurden festgenommen, das ereignisreiche Jahr 1934 endete mit einem Sieg der Demokraten, der aber mehr als kostenreich blieb. Auch weiterhin mangelte es der legitimen Regierung Capón-Dini an Autorität. Die bürgerkriegsähnlichen Kämpfe nahmen zwar nach dem Verbot der Aktionstruppen und der Faschistischen Front ab, doch flammten nun vermehrt separatistische Aufstände in Golen und der Bretagne auf. Kommunisten im ganzen Land riefen zudem die "Rote Revolution" aus und gründeten Räterepubliken in Óstino und Artir, die nur schwer niedergeschlagen werden konnten.
In Golen war bereits zuvor ein Aufstand im micolinischen Teil ausgebrochen, der sich gegen die Zentralisierungspolitik des faschistischen Ulisse-Regimes in Servette richtete. Davon ausgehend wandten sich im Zuge der Militärputschs in Semess auch auf sagradischer Seite golische Separatisten gegen die Staatsmacht und suchten sich der in Alágua ausgerufenen „Freien Golischen Republik“ anzuschließen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes in Micolinisch-Golen drangen micolinische Truppen im Frühjahr 1935 auch auf sagradisches Staatsgebiet vor. Mit dem Vorwurf an die sagradische Regierung, der Lage selbst nicht Herr werden zu können, übernahmen die micolinischen Truppen binnen weniger Tagen die gesamte Provinz Golen-Casqa, die Provinz Pexace sowie den Westen der Escada. Der schwachen Regierung Dini, auf Befriedung der Lage abzielend, blieb nichts anderes übrig, als unter Protest die Verletzung der eigenen Souveränität hinzunehmen und dem vom micolinischen Außenminister Charl Marrel formulierten einjährigen Moratorium zuzustimmen, das einer vorübergehenden Duldung micolinischer Truppen auf sagradischem Gebiet gleichkam.