Gran'Etá
Als La Gran'Etá (im Deutschen auch Goldenes Zeitalter Sagradiens) bezeichnet man in Sagradien das Zeitalter wirtschaftlicher und v.a. kultureller Blüte im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert, das von der sagradischen Renaissance bis zum Barock reicht und eine künstlerische Hochphase in Literatur, Malerei, Architektur, Bildhauerei und Musik umfasst. Als Eckdaten der Epochenbildung werden gerne der Amtsantritt Davids I. 1509 sowie der Tod Gabriels V. 1640 angeführt.
Politisch und wirtschaftlich beschreibt das Goldene Zeitalter den bereits unter den Santori-Königen im 15. Jahrhundert begonnenen Aufstieg Sagradiens von einer westeuropäischen Mittelmacht zur europäischen Großmacht und Weltmacht mit einem florierenden Handelsimperium und einem expandierenden Kolonialreich in Übersee.
Mit Künstlern wie António Volero, Don Cabal, Murán und Sebastian erlebten die Bildenden Künste eine Blütephase. Auch die Literatur wurde durch Klassiker wie Celiano Nacoma und Plácido Cosança zu einem Höhepunkt geführt.
Inhaltsverzeichnis
Periodisierung
Als Beginn des Goldenen Zeitalters in Sagradien werden unterschiedliche Daten genannt: Der Aufstieg der tulinesischen Santori zum sagradischen Königtum 1457, das Ende der Servettinischen Kriege 1506 oder die Krönung Davids I. zum sagradischen König 1509 markieren den politischen Beginn des Goldenen Zeitalters. Das Wirken Franciscus Aurelianus' in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kann als geistiger Beginn der Gran'Etá angesehen werden. Als politische Schlusspunkte gelten der Tod Gabriels VII. 1640 oder der Westfälische Friede 1648, künstlerisch kann das Ableben Sebastian Bexentes 1680 als spätester Endpunkt betrachtet werden.
Auch für die Binnenperiodisierung der Gran'Etá bestehen mehrere divergierende Möglichkeiten, von denen zwei besonders verbreitet sind. Einerseits wird das Goldene Zeitalter in etwa drei gleich lange Phasen eingeteilt, die sich grob an den Regierungszeiten der sagradischen Könige orientiert. Danach folgt der ersten Phase, der so genanten Era Davidêsa unter König David I. (1509-1543), eine mittlere Phase, der Era Joaniana unter Johanna I. (1543-1575) und ihrem Sohn Danadier I. (1575-1591), ehe unter Gabriel V. (1591-1640) die abschließende Era Gabrielina folgt. Allgemein kann man jedoch auch die erste Phase als Era Tulinêsa von der zweiten Era Semestina abgrenzen. Im Tulinesischen Comitat gilt die Era Dona Leonor, die Regentschaftszeit der Fürstin Eleonore von Cuentez als Statthalterin König Danadiers I. und König Gabriels V. (ca. 1580-1610) als eigene künstlerische Epoche parallel zur Era Joaniana und zur Era Gabrielina im übrigen Sagradien.
Politische Hintergründe
Nach den Wirren des Sechzigjährigen Kriegs zwischen den Kronen Sagradiens und Mikoliniens war 1457 mit dem Haus Santori eine neue Königsdynastie auf den sagradischen Thron gekommen, welche die Herrschaft über Sagradien und das Tulinesische Comitat vereinte und unter den Königen Philipp VI., Philipp VII. und Peter I. zu einer gesamteuropäischen Macht heranwuchs. Wichtige Faktoren des Aufstiegs waren die militärischen Erfolge gegen Mikolinien in den Servettinischen Kriegen im späten 15. Jahrhundert, die zur Kontrolle des gesamten mikolinischen Südens durch die sagradischen Santori-Könige führte.
Unter dem von den bedeutenden Humanisten Ercule Schiatti und Geert van Stael erzogenen David I. (1509-1543), der 1521 auch die Herrschaft über Portugal antrat (bis 1524 im Krieg gegen Spanien verteidigt) und damit über ein Weltreich herrschte, erreichte das sagradisch-tulinesische Reich schließlich einen politischen Höhepunkt. Seefahrer und Entdecker wie Santo Aziz, Selle Inoza, Carles Diaz, Nuno Guavo und Joán Caballes erkundeten in seinem Namen die Weltmeere und bauten ein erstes sagradisches Kolonialreich auf. Unter David I., seiner Tochter und Nachfolgerin Johanna I. (1543-1575) sowie deren Nachkommen Danadier I. (1575-1591) und Gabriel V. (1591-1640) gehörte Sagradien zu den internationalen Großmächten. Zwar verloren die sagradischen Santori 1580/83 die Herrschaft über Portugal an das habsburgische Spanien, ein großer Teil des Kolonialreichs konnte aber aufrechterhalten und Sagradiens Stellung als See- und Handelsmacht gefestigt werden. Unter dem leitenden Minister Joán María de Belavís (†1603) wurde zudem die Königsmacht im Inneren gestärkt und die in den Josephitenaufständen 1552-1556 in Frage gestellte sagradisch-tulinesische Union konsolidiert.
Der letzte große Sieg Sagradiens im Rahmen seiner Weltmachtstellung erfolgte 1620-1624 im Ligrischen Krieg gegen die anti-sagradische Allianz aus Mikolinien und England. Der an diese Auseinandersetzung anknüpfende Asumarische Krieg 1657-1669 endete zwar nicht in einer direkten Niederlage für Sagradien, markierte aber zusammen mit dem zeitgleichen Debakel im sagro-spanischen Seekrieg (1668/69) seinen Abstieg als Weltmacht, der sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts maßgeblich ereignete und mit einem gleichzeitigen ökonomischen Niedergang Sagradiens koinzidiert. Die unglücklichen Beteiligungen am Pfälzischen und am Spanischen Erbfolgekrieg sowie der folgende Sagradische Bürgerkrieg fallen bereits in die Endphase des machtpolitischen Abstiegs und machen die Schwäche der sagradischen Monarchie in Kontrast zu seiner Blütephase im Goldenen Jahrhundert deutlich.
Geistesgeschichtliche Hintergründe
Wichtige geistige Hintergründe der sagradischen Kunstrevolution der Jahrhundertwende vom 15. zum 16. Jahrhundert gehen vom sowohl italienisch als auch niederländisch und französisch beeinflussten sagradischen Renaissance-Humanismus aus. Wichtige Einflüsse kamen von dem italienischen Humanisten Ercule Schiatti, der am Hof Philipps VI. lehrte. Unter den Santori-Königen etablierte sich die tulinesische Celusanto-Universität nebst dem Königshof zu einem Zentrum des neuen abendländischen Denkens. Auch der Niederländer Geert van Stael lehrte hier zeitweise.
Großer Einfluss ging von den Lehren des sagradischen Humanisten und Reformtheologen Franciscus Aurelianus (Francês d'Orell, 1434-1498) aus, der sich u.a. für eine Reform der überkommenen und verweltlichten Kirche einsetzte, die unmittelbare Beziehung zwischen dem Gläubigen und Gott sowie die religiöse und philosophische Mündigkeit des Einzelnen als Ziel des Strebens und Denkens propagierte. Dazu sollte u.a. seine Übersetzung der lateinischen Vulgata in die sagradische Volkssprache dienen.
Nach religiösen Auseinandersetzungen erließ Königin Johanna I. 1567 mit dem Toleranzedikt von Viça eine gesetzliche Grundlage religiöser Toleranz, die das geistige Klima das Landes nachhaltig prägte, auch wenn seit Ende des 16. Jahrhunderts die sagradische Gegenreformation entscheidende Durchbrüche feiern konnte.
Das Goldene Jahrhundert in den Bildenden Künsten
Malerei
Der Hof Davids und seiner ersten Frau Luisa d'Avis in Tulis wurde bald zu einem kulturellen Zentrum der Renaissance. David betätigts sich auch als Förderer der Bildenden Künste und lud europäische Künstler wie die Italiener Niccolò Vaccheotti und Donato Celeste an seinen Hof. Auch Titian gehörte zu den Auftragnehmern des Königs.
Nach dem Tod des Königs entwickelte sich neben Tulis, das unter der Statthalterin Eleonore von Cuentez eine weitere Blütephase erlebte, der neue Königshof in Semest zu einem zweiten wichtigen Zentrum sagradischer Kunst. Unter dem Einfluss der Italiener entwickelte sich hier eine sagradische Renaissancekunst, deren hervorragender Vertreter António Volero (1521-1598) als Hofmaler Königin Johannas I. wirkte.
Der Tulinese Francès Cabal de Sáfora (1560-1632), genannt "Don Cabal", entwickelte einen dynamischen, von Titian und vom Manierismus geprägten Stil und gilt als einer der Wegbereiter des Barock in Europa. Er übte wiederum starken Einfluss auf Künstler wie Pier-Laurenço de Gilán (1588-1632, auch "Tulinês" genannt), Jofré de Gilard (1602-1666), Francès Murán de Fosa (1599-1658) und Tristán de Carreác (1591-1644) aus, die zur Regierungszeit Gabriels V. (1591-1640) schließlich die sagradische Barockmalerei prägten. Zum wichtigsten Maler dieser Epoche wurde Sebastian Bexente (1602-1681), der besonders in seinen frühen Jahren wichtige Werke schuf und in der Tradition Caravaggios einen ausdrucksstarken Stil entwickelte. Mit seinem Tod 1681 endete die Blütephase sagradischer Malerei endgültig.
Architektur
Die sagradische Architektur war zu Beginn des Goldenen Zeitalters noch stark gotisch geprägt. In Tulis und im Blaumeergebiet erlebte die Spätgotik in Form der Gótic Azoumaresc im 15. Jahrhundert eine Blütephase, die noch bis weit ins 16. Jahrhundert hineinstrahlte. Gotische Elemente übten auch auf die sagradische Renaissance-Architektur noch Einfluss aus, deren wichtigste Vertreter Luis d'Ambrosián, der Mikolinier Oliver Fernandet und der Italiener Donato Celeste waren. Nach den jeweiligen Monarchen spricht man auch vom Estilo Rei David, Estilo Reina Joana und vom Estilo Filipe-Gabriel. In Tulis entwickelte sich dagegen unter der Statthalterschaft von Eleonore von Cuentez ein spezifischer Estilo Dona Leonor.
Im Barockstil wurde unter König Gabriel V. mit dem Neubau der Kathedrale San Docién in Celu nach den Plänen von Lorenzo Desquiero begonnen. Weitere wichtige Barock-Architekten waren Francisco Fran und Mauro Calestín, die den Baroque Azoumaresc prägten.
Das Goldene Jahrhundert in Literatur und Dichtung
Neben den bildenden Künsten der Renaissance und des frühen Barock ist das Goldene Zeitalter Sagradiens wesentlich von der Blütephase sagradischer Literatur geprägt. Bereits im 15. Jahrhundert entwickelte sich in Sagradien eine vom Humanismus geprägte Renaissance-Literatur, zu deren Vorreitern die mittelsagradischen Dichter Georgo Frances de Herrera und Mariano Illiegues gerechnet werden können. Auch die asumerische Dichtung Josefe Borrards, der durch seine Geschichtensammlung „la Fontana“ berühmt wurde, zeigte sich besonders einflussreich auf die spätere Literatur des 15. Jahrhunderts, ähnlich wie die epische alkonische „Besangua“-Literatur von Rodrigo Mêrces und António Man. Mit Manuel Braga gelangte die Sonettform nach Sagradien.
Ihre große Blütephase erlebte die sagradische Literatur schließlich zur Mitte des 16. Jahrhunderts unter Königin Johanna I. und ihrem Sohn Danadier I.. Als Hauptvertreter von Weltrang der so genannten Era Clásica der sagradischen Dichtung gilt der bis heute bekannteste sagradische Dichter Celiano Nacoma (1535-1614), neben dem sein enger Freund Plácido Cosança (1540-1599) sowie die Dramen- und Komödiendichter Marcantónio Verosán und Erculo Danieles Scarça zu nennen sind. Als bedeutende Lyrikerin dieser Epoche gilt Sellesi de Narbona.
Ein großer Förderer der klassischen Dichtung Sagradiens war König Danadier I., genannt der Dichterkönig, der selbst schrieb und zunächst als Prinz und später als König bekannte sagradische Literaten um sich sammelte. Der Philosoph, Literat und Naturwissenschaftler Santiago Calles gilt als Hauptvertreter der klassischen sagradischen Philosophie. Der Tod Cosanças 1599 und das Ableben Nacomas 1614 fallen bereits in die Barock-Epoche, die zum Ende des Goldenen Jahrhunderts überleitet. Die folgende, auch als „Decadença“ bezeichnete Literatur des sagradischen Spätbarock weist deutliche qualitative, thematische und formale Brüche mit der Litetatur des Goldenen Jahrhunderts auf.