Martin der Kühne
Martin der Kühne (*1059, †1118) (sagr. Martín il Bravo, peruz. Martí le Brave) aus dem Geschlecht der Lusoniden war als Martin II. Herzog von Scantia (1079-1095, erneut 1100-1118) und als Martin I. König von Perucía (1101-1118). Als Herzog von Scantia war er einer der mächtigsten Vasallen der sagradischen Könige und herrschte nach dem Gewinn der Peruzinischen Krone 1101 über ein de facto unabhängiges lusonidisches Großreich in Nordsagradien und Nordmicolinien. Als Kontrahent der sagradischen Herrscher Hugo Dianus von Cliêce und Johann dem Löwen sowie Anwärter auf die peruzinische Krone war er der große machtpolitische Gegenspieler des sagradischen Königs Johann dem Löwen, dem er jedoch lehnspflichtig blieb.
Inhaltsverzeichnis
Kindheit und Jugend
Martin der Kühne wurde 1059 als Sohn des Skantenherzogs Roduich dem Langen aus dem Geschlecht der Lusoniden geboren. Das Geschlecht der Lusoniden ging auf einen wohl peruzinisch-stämmigen Adligen namens Luso oder Loso zurück, der sich im 10. Jahrhundert in den Dienst des skantischen Königs Philipp II. stellte, um an der Reconquista der Halbinsel gegen die muslimischen Numerer mitzuwirken. Seit 1032 stellten die Lusoniden mit Martins Großvater Luso I. die Herzöge von Scantia und Herren von Westligre.
In seiner Kindheit unterstützte Martins Vater König Roduich den Kurzen sowie dessen Bruder Martin den Frommen gegen ihren Onkel Don Joán de Tesqué. Zur Belohnung erhielt Roduich der Lange zusätzliche Besitztümer, welche die Hausmacht der Skantenherzöge in Nordsagradien stark vermehrten. Nach dem Tod Martins des Frommen 1078, der ohne männlichen Erben geblieben war, erhob sein Vater Roduich als mächtigster Vasall des Königreichs Anspruch auf die sagradische Krone, verlor den Machtkampf aber gegen den Schwager Martins des Frommen, den Alkonenherzog Hugo Dianus aus dem Haus der Dianniden, was den diannidisch-lusonidischen Gegensatz begründete, der die sagradische Geschichte des gesamten 11. und 12. Jahrhunderts prägen sollte.
Herzog von Scantia und Auseinandersetzung mit den Dianniden
Roduich der Lange wurde in der Schlacht von Resales getötet und Hugo Dianus von Cliece wurde zum sagradischen König gekrönt. Martin, der seinem Vater als Herzog von Scantia gefolgt war, erkannte die Herrschaft Hugos nicht an und blieb den Reichstagen fern, jedoch war die Stellung Hugos zunächst zu schwach, um seinen Anspruch auch in Nordsagradien mit Gewalt durchzusetzen. De facto regierte Martin den Nordwesten Sagradiens in königsgleicher Stellung. Als es 1091 zur Exkommunikation Hugo Dianus' durch den Reformpapst Gregor VII. kam, konnte sich Martin die Unterstützung eines Großteil des Hochadels sichern und begann einen neuerlichen Krieg gegen König Hugo. 1092 gelang es Martin, den Sohn und Thronfolger Hugos, Don Joán, später als Johann der Löwe bekannt, zu entführen und in San Joán de Scantia festzusetzen. Da in der Folge aber seine Unterstützung im Adel bröckelte und er in eine immer schlechtere militärische Situation geriet, wich er in der Folge der direkten Konfrontation mit Hugo Dianus zunehmend aus und ließ Agenten ansetzen, die ihn im Feldlager töten sollten, was 1094 mit der Ermordung Hugos glückte.
Mit Hilfe Verbündeter gelang Don Joán aber die Flucht aus der Festung San Joán und es kam zum militärischen Schlagabtausch zwischen Martin dem Kühnen und Johann dem Löwen in der Schlacht von Rosário, die in einer Niederlage Martins endete. Dieser wurde festgenommen, in Castel Grandaro bei Meném eingekerkert und all seines Lehnsbesitzes beraubt. Erst als sich Johann I. nach seiner Krönung zur Versöhnung mit dem Papst auf den Kreuzzug begab, gelang Martin die Flucht aus Castel Grandaro und die Rückkehr nach Scantia, wo er schnell wieder in seine alte Machtstellung zurückkehren konnte. Nach Johanns Rückkehr im Jahr 1100 versöhnten sich Martin und der König zwischenzeitlich im Vertrag von Belaçón und Martin konnte das Herzogtum wieder in Besitz nehmen.
Peruzinischer Krieg und Königtum
Als im Folgejahr der König Jouan der Kurze von Perucía starb und keinen männlichen Erben hinterließ, erhob Martin der Kühne für seine dritte Frau Berta von Perucía, einer Tochter Jouans, Anspruch auf die peruzinische Krone. Er startete einen Feldzug und ließ sich in Cresq zum König proklamieren. In mehreren Schlachten gegen potenzielle Rivalen konnte er sich schließlich als peruzinischer König durchsetzen und gründete damit das Lusonidenreich im Norden der Konsettenhalbinsel. Zwar konnte er über Perucía als unabhängiger König regieren, für seine Gebiete in Scantia blieb er aber dem sagradischen König Johann dem Löwen lehnspflichtig und musste 1102 seinen Treueid wiederholen und der johannitischen Reichsreform zustimmen, welche die Stellung Johanns stärkte.
Tod und Nachfolge
Martin der Kühne starb im Jahr 1118. Seine beiden Söhne Albreth und Luso teilten sein Reich zunächst unter sich auf: Albreth wurde Herzog von Scantia, Luso herrschte als König von Perucía. Erst Lusos Sohn Luso II. von Perucía übernahm 1135 wieder beide Titel und knüpfte an die Stellung Martins als Herrscher des Lusonidenreichs an.