Sagradischer Bürgerkrieg

Aus Sagradien
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Als Sagradischer Bürgerkrieg wird eine Reihe von Aufständen, Kriegen und sonstigen gewaltsamen Auseinandersetzungen bezeichnet, die sich im Königreich Sagradien zwischen 1708 und 1723 ereigneten. Darin ging es um einen Machtkampf zwischen dem sagradischen König und seinen absolutistisch gesinnten Anhängern sowie verschiedenen Strömungen, die eine Form des ständischen Regiments im Gegensatz zur monarchischen Alleinregierung anstrebten. Dazu kamen auswärtige Einmischungen von Seiten Frankreichs und Micoliniens. Kontext der Konflikte war der seit 1701 ausgetragene Spanische Erbfolgekrieg, in dem Sagradien an der Seite Frankreichs gegen die antifranzösische Allianz kämpfte und der das sagradische Königreich erschöpfte und einen günstigen Boden für Aufstände, Protestbewegungen und Gewaltaktionen lieferte.

Im engeren Sinne wird als Sagradischer Bürgerkrieg klassischerweise der in der neueren Forschung meist als Sagradischer Koalitionskrieg oder Krieg der Coalicionárioes bezeichnete militärische Konflikt zwischen König Danadier II. und der ständisch-oppositionellen Adelskoalition verstanden, der mit Unterbrechungen von 1713 bis 1718 geführt wurde, ehe er 1719-21 in Form von royalistischen Aufständen gegen das Regiment der Stände fortgesetzt wurde. Dagegen zählt die neuere Forschung zum Komplex des Bürgerkriegs auch die Reihe von Aufständen vor 1713 (v.a. den Juliaufstand 1708 und den Septemberaufstand 1711) sowie die Auseinandersetzung mit den Semestiner Republikanern infolge des Maiaufstands 1721 (auch als Zweiter Bürgerkrieg bezeichnet) sowie den so genannten Philippkarlisten, die sich vor allem im Jahr 1721/22 ereigneten und in der Folge bis etwa 1735 andauerten (Dritter und Vierter Bürgerkrieg).

Vorgeschichte

Der Bürgerkrieg hatte seine Ursachen vor allem in den sozialen und politischen Entwicklungen in Sagradien während der Regierungszeit König Gabriels VII. (1651-1698). Dieser verfolgte gemäß den absolutistischen Vorbildern seiner Zeit das Ziel, die Zentralgewalt der Krone zulasten der traditionell einflussreichen Stände, den Cortes zu stärken. Für diesen Zweck benötigte er in erster Linie ein stabiles Finanzsystem. Das alte System zur Steuereintreibung durch die hochadeligen Gouverneure der Provinzen, hatte sich als ineffektiv erwiesen. Gabriel griff daher die Politk seines ersten Ministers Kardinal Bernabêu auf und stärkte die Zugriffsrechte des Königs auf die Verwaltung des Landes. Der Adel verlor auf diese Weise rapide an Einfluss und Autonomie. Vorbild Gabriels war die absolutistische Regierungsform Frankreichs, wie sie unter Ludwig XIV. ausgeübt wurde. Auch in Sachen Hofhaltung und Ausgabenpolitik eiferte Gabriel dem französischen Vorbild nach.

Unter Gabriels Nachfolger Danadier II. (1698-1721) wurde diese unpopuläre Politik fortgeführt und erreichte einen Höhepunkt, der die Staatsfinanzen an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte. Die Beteiligung Danadiers am Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten Frankreichs führte zu einem rapiden Anwachsen der Staatsschulden, die der König durch Steuern in den Griff zu bekommen suchte. Schnell weitete sich die Kritik im Land, die zunächst vor allem von den Städten aufgekommen war, auf den gesamten Regierungsstil Danadiers aus, der als autokratisch und absolutistisch empfunden wurde. Besonders gegen die verschwenderische Finanzpolitik des Königs wehrten sich die Gegner.

Vom Juliaufstand 1708 bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs

Nach der Erhöhung der allgemeinen Steuern im Jahr 1708 – sie hatten zum Rücktritt des leitenden Ministers Santiago Corvón, Graf von Casterley, geführt – schlug die Missstimmung auf die hungernde Semestiner Stadtbevölkerung über, die ihren Unmut im Juli 1708 in einem allgemeinen Aufstand (Juliaufstand 1708) zum Ausdruck brachte. Danadier ließ die Aufstände niederschlagen. Die Kritik am König hielt aber an. Nachdem der König die Abgaben des Adels zur Kriegsfinanzierung angehoben hatte, war es im September 1711 der niedere Landadel, der sich gegen den König erhob (Septemberaufstand 1711). Der König reagierte schließlich und berief die Generalstände ein, die nun über mögliche Finanzierungsmöglichkeiten des Kriegs beraten sollten.

In den einberufenen Generalständen kristallisierte sich jedoch schnell ein oppositionelles Lager um mehrere führende Adlige heraus, die dem Krieg ablehnend gegenüberstanden und einen raschen Friedensschluss befürworteten. Mehrere Resolutionen der Stände wurden vom König als Affront betrachtet und barsch zurückgewiesen. Die Versuche seines leitenden Ministers Carles de Granval, zu vermitteln, scheiterten allesamt. Granval wurde schließlich entlassen, sein Nachfolger Manuel de Cambras setzte auf eine Konfrontation mit den Ständen.

Als die neuen Generalstände dem König die Zusicherung weiterer Kredite verweigerten, löste dieser schließlich im April 1713 die Versammlung auf und kehrte zu seiner autokratischen Politik zurück. Gleichzeitig musste Danadier im Friede von Utrecht die strategisch wichtigen Westseestützpunkte La Cripón und Cereza an Großbritannien abtreten, konnte sich aber auf keinen Frieden mit dem benachbarten Micolinien einigen, das den Krieg gegen Sagradien fortsetzte. Eine Abordnung der gerade aufgelösten Generalstände versuchte nun auf Einladung des Herzogs von Sesin, José de Sántori, einem entfernten Vetter des Königs, in Vesaey das weitere Vorgehen zu erörtern. Dabei sollte ein neuerlicher Kompromiss mit dem König gefunden werden. Schließlich verabschiedete die Versammlung die so genannte Erklärung von Vesaey, in der die Versammlung vom König die Wiedereinberufung der Stände forderte.

Dies wurde von Minister Cambras als Akt des Verrats gegen den König interpretiert, die Versammlung wurde gewaltsam aufgelöst und der Herzog von Sesin festgenommen, was schließlich den Bürgerkrieg auslöste, da dessen Anhänger nun aus dem Hochadel Truppen zusammenzogen und Aufstände gegen den König anzettelten.

Koalitionskrieg

Sesin kam rasch frei und stellte sich an die Spitze des Aufstandes. Sesín versammelte hinter sich eine Koalition aus oppositionellen Adligen, vornehmlich aus den Häusern Piacón und Todesco. Nachdem König Georg I. von Micolinien jede Verwicklung in die Kämpfe verweigert hatte, bewilligte sein Nachfolger Georg II. die Entsendung eines Freiwilligenheers zur Unterstützung der Koalition. Auch der de facto vom sagradischen König abhängige Fürst Maximilian II. von Cuentez kämpfte nicht gegen, sondern mit dem ständischen Koalitionsheer.

Unter dem Oberbefehl von Alexandro Graf Vierna konnte das Koalitionsheer schnelle Erfolge feiern, jedoch keine Entscheidung erzwingen. Während sich der König unnachgiebig zeigte, versuchte sein Bruder Don Pietro Joán mehrmals, mit den Aufständischen zu vermitteln. 1715 erreichte er einen zeitweiligen Waffenstillstand, der jedoch bald gebrochen wurde. Versuche Pietros, neuerliche Verhandlungen zu erreichen, führten dazu, dass er vom König bald nach Frankreich geschickt wurde.

Nach der Hinrichtung Casterleys im Jahr 1717 und der Übernahme des Oberbefehls der Koalitionstruppen durch Filipe de Piacón geriet der König immer mehr unter Druck. Die Entscheidung des micolinischen Königs Georg II., dem sagradischen König offiziell den Krieg zu erklären und mit Truppen in die sagradischen Besitzungen auf der micolinischen Halbinsel vorzudringen, beschleunigte die Willensbildung bei Ständen und König, die Konflikte niederzulegen.

Im Frühjahr 1718 leitete die im Vergleich zum Ständeheer deutlich schwächere Königspartei schließlich Waffenstillstandsverhandlungen ein, die im August zur Einigung führten. Danadier musste einer Wiedereinberufung der Generalständeversammlung zustimmen und sich unter Kontrolle einer Generalabordnung (Delegación General) der Stände stellen lassen. Der Bürgerkrieg war damit vorerst jedoch nicht beendet, da es in der Folge wiederholt zu royalistischen Aufständen kam. Dennoch demonstrierten König und Stände in der Folge die Wiederherstellung ihrer concordia und beschworen die gemeinsame Verantwortung vor Gott.

Zeit des Ständeregiments (regimen d'estadœs)

Im Dezember 1718 kam die neue Ständeversammlung zusammen, in der auch Royalisten vertreten waren und die von Danadier II. umfassende Zugeständnisse verlangte und eine Abordnung bestimmte, die zukünftig als Regierung dienen sollte. König und Stände sollten gemeinsam über die Modalitäten eines neuen Regierungssystems verhandeln, das die alten Freiheiten der Stände wiederherstellen und den Absolutismus durch ein Kondominium von König und Ständen ersetzen sollte, wie es die Vorstellung des Adels und der Mehrheit der Stände war. Der König wäre auf diesem Weg zu einer Art konstitutionellen Monarchen geworden, unter strenger Kontrolle der Stände. Die Ständeversammlung einigte sich im Sommer und Herbst 1719 auf insgesamt drei Teile einer neuen Ordnung, die als Codices Magna Libertatum bezeichnet wurden.

Der König entließ zunächst parallel zu den Beratungen der Stände eigene Dekrete über das künftige Zusammenwirken von Ständen und König, die jedoch von den Generalständen als unzureichend zurückgewiesen wurden. Im Dezember 1719 musste Danadier schließlich auf weiteren Druck der Stände hin erklären, die Codices Magna von König und Ständen künftig einhalten zu wollen. Dabei behielt er sich zwei einzelne Abweichungen vor, dennoch reagierte die ultraroyalistische Partei empört auf das Entgegenkommen des Königs gegenüber den Ständen. Vor allem Danadiers Bruder Herzog Philipp Karl von Viça profilierte sich nun als radikaler Gegenpart zum konzessionsbereiten König. Bald wurden Gerüchte gestreut, der König sei aus Krankheitsgründen unzurechnungsfähig und zum willenlosen Werkzeug der gottlosen Adelspartei verkommen. Tatsächlich zeigte Danadier in der Folge zunehmend Anzeichen von Depressionen und schien die Gerüchte damit zu bestätigen.

Eskalation und Königsabsetzung

Trotz des Waffenstillstands und der Übereinkunft zwischen König und Ständen ging der Krieg mit Micolinien weiter. Nach wechselvollen Kämpfen musste das sagradische Ständeregiment im Herbst 1720 schließlich einen für Sagradien nachteiligen Frieden akzeptieren. Größere Teile Südkonts mussten an Micolinien abgetreten werden. Der Friedensschluss verstärkte die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Ständeregiment, das durch Versorgungsprobleme und Hungersnöte ohnehin an Popularität verloren hatte und vornehmlich als Interessenvertretung des Hochadels wahrgenommen wurde. Damit verbunden waren interne Parteikämpfe innerhalb der Stände und Interessengegensätze vor allem zwischen hochadligen und hochklerikalen Gruppen einerseits und den niederadligen und bürgerlichen Schichten andererseits.

Neuerliche royalistische Aufstände führten im Winter 1720/21 zu einer deutlichen Radikalisierung sowohl des Ständeregiments als auch der royalistischen Gegner. Deutliches Zeichen dafür war die Ermordung des jüngsten Königsbruders Prinz Peter von Sagradien. Die anti-ständische Propaganda der Royalisten schadete aber vor allem dem gesundheitlich angeschlagenen König selbst, der unter Konspirationsverdacht und mit seiner gesamten Familie unter Hausarrest gestellt wurde, womit er endgültig die Kontrolle über das Geschehen verlor. Der Versuch der ultra-royalistischen Partei um den Königsbruder Philipp Karl von Viça, das Ständeregiment Ende Januar durch einen Staatsstreich zu überwinden, indem er von seinem Bruder als Nachfolger und Regent eingesetzt werden sollte, schlug fehl. Der König kam weiteren Sanktionen zuvor und floh außer Landes. Von Frankreich aus dekretierte er seine Abdankung und ernannte, wie von diesem verlangt, seinen Bruder zum Nachfolger, der de facto bereits zuvor die dynastische Führung des königlichen Hauses übernommen hatte.

Die Generalstände erkannten dieses Dekret jedoch nicht an, da es den Codices Magna widersprach, und erklärten im Generalakt vom 20. Februar 1721 den König für abgesetzt. Die bereits zerstrittenen Parteien in den Ständen konnten sich jedoch nicht auf eine Nachfolgeregelung einigen. Die Legitimisten hielten trotz des versuchten Putschversuchs und seiner antiständischen Propaganda an einem grundsätzlichen Thronfolgerecht Philipp Karls von Viça fest und setzten sich für Verhandlungen mit diesem ein, womit auch auch die Hoffnung auf eine Mäßigung des zunehmend radikalisierten Ständeregiments durch das königliche Gegengewicht verbunden war. Die Mehrheit der Radikalen votierte dagegen für eine andere Lösung, konnte sich unter den potenziellen Nachfolgekandidaten, dem Herzog von Sesin oder einer der beiden Töchter des Königs, nicht entscheiden. Mit der Ernennung einer neuen Generaldelegation mit voller Exekutivgewalt wurde Sagradien de facto eine Republik, wobei aber nur eine kleine radikale Minderheit in den Ständen diese Staatsform tatsächlich bevorzugte. An der Spitze des Staates stand der Herzog von Sesin als Generalvikar der Stände.

Die ständische und die radikale Republik

Während ergebnissoffene Verhandlungen mit Prinz Philipp Karl über eine mögliche Regierung aufgenommen wurden, ohne dass dieser bereits als König anerkannt worden wäre, kam es im Land zunehmend zu Widerständen gegen das ständische Regiment unter Führung des Herzogs von Sesin und seines mächtigen Sekretärs Graf Luis Ambrôsio de Bonavilla. Die Spaltung der Stände in Hochadel und Radikale wurde immer deutlicher, eine Zusammenarbeit kaum noch möglich. Nachdem ein Putschversuch der Radikalen gegen die Regierung Bonavillas gescheitert war, ging die mächtige Adelspartei hart gegen die Verschwörer vor. Als es am Morgen des 23. Mai zur Hinrichtung des populären Semestiner Bürgers Luis Otero kam, der sich gegen das neue Stände-Regiment ausgesprochen und für eine Fortsetzung des Bürgerkriegs plädiert hatte und dafür des Hochverrats für schuldig befunden worden war, folgte in der Metropole ein blutiger Volksaufstand, der sich nun vor allem gegen den in den Ständen führenden Hochadel richtete. Von den Repressalien, die das Stadtvolk im Krieg erlitten hatte, und von der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lage radikalisiert, bedrohten sie nun die Ständeherrschaft.

In der folgenden Maiblutnacht vom 23. auf den 24. Mai 1721 stürmte ein wütender Mob den Königspalast am Plazarenya, versuchte Bonavillas und des Herzogs von Sesin habhaft zu werden und tötete mehrere Leibwachen des Regenten. Der Herzog konnte entkommen und floh nach Noyar, die Ständeversammlung musste vor der unterschätzten Eskalation ins nahe Vierna flüchten, wo sie sich aber endgültig zerstritt und spaltete. Die Partei der Radikalen unter der Führung des Kleinadligen Simón Bernord rief nun offiziell die Republik aus, erklärte die regierende Generaldelegation der Stände für abgesetzt und übernahm mit einem Heer aus freiwilligen Baronen, Bürgern und Bauern die Herrschaft in Semess. Die geschockten Generalstände bzw. das was von ihnen übrig geblieben war, aktivierten das stehende Heer unter Carles de Vierna gegen die Usurpatoren in der Hauptstadt. Damit war der Bürgerkrieg endgültig von neuem entfacht.

In Semess übernahm ein Rat der Sieben aus Bürgerlichen und Kleinadligen unter Führung Simón Bernords die Herrschaft. Er erklärte die Monarchie für beendet und das Volk zum Souverän, in dessen Namen der Rat zu handeln glaubte. Die Kammern der Stadt wurden nun mit Anhängern der Sieben besetzt und zu wesentlichen Vollzugsorganen erklärt. In der Folge weitete sich der Volksaufstand von Semess aus auf das gesamte Land aus. Im Mai und Juni bildeten sich auch in anderen Städten und teilweise auch auf dem Land radikale Räte und Abordnungen, die sich teilweise den Sieben in Semess unterstellten, teilweise aber auch als eigenständiges Vollzugsorgan auftraten.

Mit der Radikalisierung eines Teils des Volkes gegen den Adel und die Stände erreichte der Bürgerkrieg eine neue Wendung. Die Ermordung des Herzogs von Sesin markierte den Höhepunkt der Gewalt. Royalisten und ehemalige Koalitionäre mussten sich nun gegen die Radikalen behaupten und verbündeten sich zu diesem Zweck. Mehrere Heere der Royalisten und Koalitionäre gingen in der Folge gegen die Aufständischen vor. Im Herbst kam es zur Belagerung von Semess, das im November 1721 eingenommen werden konnte. Bernord wurde auf der Flucht festgenommen und schließlich als Verräter angeklagt und hingerichtet. Die Aufstände der Radikalen sowie diverse Bauernaufstände zogen sich noch bis Mitte 1722 hin und konnten erst dann weitgehend beendet werden.

Philippkarlistenkrieg 1722/23

Die Stände, die nun die Macht konsolidiert hatten, wählten im Januar 1722 einen Staatsrat, der nun die Regierungsgeschäfte wahrnehmen sollte. Derweil machte sich die im Mai 1722 neu zusammengetretene Ständeversammlung daran, einen neuen König zu finden und Konditionen einer neuen Ordnung auf Grundlage der Codices Magna festzusetzen. Diese wurden im September 1722 in einem neuerlichen Codex Magnum für verbindlich erklärt. Nach der Ermordung des Herzogs von Sesin konzentrierte sich die Suche nach einem Monarchen vornehmlich auf die Töchter Danadiers Isabel und María Luísa, aber auch eine Rückkehr Philipp Karls von Viça aus dem französischen Exil zwecks Thronbesteigung war nach den Ereignissen des Jahres 1721 nicht mehr ausgeschlossen. Unterstützt wurde Philipp Karl, der offenbar auch zu einer neuerlichen kriegerischen Konfrontation bereit war, von seinem Schwiegervater, dem französischen Regenten Philipp von Orléans. Noch ehe es zu militärischen Auseinandersetzungen mit dem Heer gekommen war, versuchten beide Seiten sich gütlich zu einigen. Ein Königtum Philipp Karls in Nachfolge seines Bruders wurde von Seiten der Stände in jedem Fall an eine Zustimmung zu den Codices Magna gebunden. Die Verlobung des Santori-Prinzen Johann Franz von Cuentez mit der Prinzessin Maria Luise markierte schließlich das Scheitern der Verhandlungen mit Philipp Karl, der die Verlobung und die damit wahrscheinlich gewordene Thronfolge des Paares nicht anerkannte und mit einem französisch unterstützten Heer in Amôria einfiel, um zunächst sein Herzogtum und anschließend die Krone zu erobern.

Die schnellen Erfolge Philipp Karls führten innerhalb der Stände zu Verunsicherung. Die Verhandlungen mit dem Santori-Prinzen Johann Franz und seinem Vater Maximilian II. wurden beschleunigt und schließlich ausgesetzt. Als Prinz von Sagradien wurde Johann im August 1722 zum Oberbefehlshaber des Ständeheeres ernannt. Nachdem sein Gegner ihm in mehreren Schlachten hatte ausweichen können, stellte das Heer Johanns seinen Gegner Philipp Karl im November 1722 bei Canar in der Landschaft Soler und errang einen entscheidenden Sieg. Philipp Karl verlor in der Folge schlagartig seine Stellung im Nordosten und ging schließlich in Frankreich ins Winterquartier. Ein Versuch, schon im Frühjahr 1723 zurückzuschlagen, war nicht von Erfolg gekrönt. Der militärische Widerstand von Seiten Philipp Karls war einstweilen besiegt. Den Sieg hatten die Stände aber nicht alleine erreicht, die Stellung des künftigen Königs Johann Franz von Cuentez war deutlich gestärkt.

Königtum Marias I. und Johanns III.

Nach längeren Verhandlungen mit den Generalständen kam es 1723 zum Staatsvertrag zwischen den sagradischen Generalständen und Fürst Maximilian II. von Cuentez. Als Grundbedingung musste Johann Franz zusammen mit seiner künftigen Ehefrau die Codices Magna bestätigen und beschwören, konnte in den Detail-Regelungen aber eine deutlich stärkere Stellung des Monarchen(paares) gegenüber den Ständen durchsetzen, als diesen lieb war. Im Juli 1723 kam es in Semess zur Hochzeit, im August schworen Maria I. und Johann III. vor der Städteversammlung, die Codices Magna zu beachten und im September wurden beide im traditionellen Noyar zu König und Königin gekrönt. Damit hatte das Königreich Sagradien nach zweijährigem republikanischem Intermezzo (Biênio Republicano) und insgesamt mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg wieder ein allseits akzeptiertes Herrscherpaar, das nach allgemeiner Vorstellung künftig gemeinsam mit den Ständen regieren sollte.

Die Versuche der Philippkarlisten, durch militärische Operationen von Frankreich aus, vor allem aber durch loyalistische Aufstände eine absolutistische Restauration durchzusetzen, scheiterten, zogen sich aber noch bis 1735 hin. Vor allem der Tod Luis Gabriels, des einzigen Sohnes Philipp Karls von Viça, im Jahr 1728 schwächte die Philippkarlisten, denen der dynastische Nachfolger fehlte. Letztmals versuchte Philipp Karls Schwiegersohn Heinrich von Vallador nach dem Tod Marias I. 1735 einen groß angelegten Aufstand, der jedoch niedergeschlagen werden konnte. Sein Versuch, Gegner Johanns III. auf seine Seite zu ziehen, scheiterte weitgehend.

Folge der Bürgerkriege

Der aus den Bürgerkriegen hervorgegangene Thronkonflikt blieb jedoch bestehen, zumal Philipp Karl kurz vor seinem Tod 1740 seine Herrschaftsansprüche auf den Sohn seiner Schwester, Louis-Gabriel de Vienne übertrug, der diese schließlich 14 Jahre später nach dem Tod Davids II. gegen Johanns und Marias Tochter Maria II. geltend machte. Der in der Folge ausgetragene Sagradische Erbfolgekrieg kann daher als Folgekonflikt der Bürgerkriege von 1713-1723/35 verstanden werden, in dem erneut auch das Verhältnis der sagradischen Stände zum Königtum zur Diskussion gestellt wurde, letztlich aber in einem wieder erstarkten Königtum unter den Königen der Vienne-Dynastie resultierte.