Sêcolo d'Or
Als Goldenes Zeitalter (sagr. Sêcolo d’Oro) bezeichnet man in Sagradien das Zeitalter wirtschaftlicher und v.a. kultureller Blüte von ca. 1520 bis in die 1640er Jahre hinein, das von der sagradischen Renaissance bis zum Barock reicht und die Hochphasen sagradischer Renaissancekunst und poetischer Klassik umfasst. Als Eckdaten der Epochenbildung werden gerne der Amtsantritt Davids I. 1509 sowie der Tod Gabriels V. 1640 angeführt, während sich Formen der Renaissancemalerei und der humanistischen Dichtung jedoch bereits im 15. Jahrhundert finden, die Hochphase der bildenden Kunst jedoch erst in den 1520ern, die der klassischen Dichtung in den 1550er Jahren angesetzt wird. Politisch und wirtschaftlich beschreibt das Goldene Jahrhundert den bereits unter den Santori-Königen im 15. Jahrhundert begonnenen Aufstieg Sagradiens von einer westeuropäischen Mittelmacht zur europäischen Großmacht und Weltmacht mit einem florierenden Handelsimperium und einem expandierenden Kolonialreich in Übersee.
Inhaltsverzeichnis
Periodisierung
Bezüglich des Sêcolo d'Oro bestehen zahlreiche divergierende Periodisierungsmöglichkeiten, von denen zwei besonders verbreitet sind. Einerseits wird das Sêcolo in etwa drei gleich lange Phasen eingeteilt, die sich grob an den Regierungszeiten der sagradischen Könige orientiert. Danach folgt der ersten Phase, der so genanten Era Davidêsa unter König David I. (1509-1543), eine mittlere Phase, der Era Joanita oder Era Joanita-Filipina unter Johanna I. (1543-1575) und ihrem Sohn Philipp VII. Jakob (1575-1591), ehe unter Gabriel V. (1591-1640) die abschließende Era Gabrielina folgt. Allgemein kann man jedoch auch die erste Phase als Era Tulinêsa von der zweiten Era Semestina abgrenzen. Im Tulinesischen Comitat gilt die Era Dona Leonor, die Regentschaftszeit der Fürstin Eleonore von Cuentez als Statthalterin König Philipp Jakobs und König Gabriels V. (ca. 1580-1610) als eigene künstlerische Epoche parallel zur Era Filipina und zur Era Gabrielina im übrigen Sagradien.
Politische Hintergründe
Nach den Wirren des Fünfzigjährigen Kriegs zwischen den Kronen Sagradiens und Micoliniens war 1457 mit dem Haus Santori eine neue Königsdynastie auf den sagradischen Thron gekommen, welche die Herrschaft über Sagradien und das Tulinesische Comitat vereinte und unter den Königen Jakob III., Jakob IV. und Peter I. zu einer gesamteuropäischen Macht heranwuchs. Wichtige Faktoren des Aufstiegs waren die militärischen Erfolge gegen Micolinien in den Servettinischen Kriegen im späten 15. Jahrhundert, die zur Kontrolle des gesamten micolinischen Südens durch die sagradischen Santori-Könige führte.
Unter dem von den bedeutenden Humanisten Ercule Schiatti und Geert van Stael erzogenen David I. (1509-1543), der 1521 auch die Herrschaft über Portugal antrat (bis 1524 im Krieg gegen Spanien verteidigt) und damit über ein Weltreich herrschte, erreichte das sagradisch-tulinesische Reich schließlich einen politischen Höhepunkt. Seefahrer und Entdecker wie Santo Aziz, Selle Inoza, Carles Diaz, Nuno Guavo und Joán Caballes erkundeten in seinem Namen die Weltmeere und bauten ein erstes sagradisches Kolonialreich auf. Unter David I., seiner Tochter und Nachfolgerin Johanna I. (1543-1575) sowie deren Nachkommen Philipp VII. Jakob (1575-1591) und Gabriel V. (1591-1640) gehörte Sagradien zu den internationalen Großmächten. Zwar verloren die sagradischen Santori 1580/83 die Herrschaft über Portugal an das habsburgische Spanien, ein großer Teil des Kolonialreichs konnte aber aufrechterhalten und Sagradiens Stellung als See- und Handelsmacht gefestigt werden. Unter dem leitenden Minister Joán María de Belavís (†1603) wurde zudem die Königsmacht im Inneren gestärkt und die in den Josephitenaufständen 1552-1556 in Frage gestellte sagradisch-tulinesische Union konsolidiert.
Der letzte große Sieg Sagradiens im Rahmen seiner Weltmachtstellung erfolgte 1620-1624 im Ligrischen Krieg gegen die anti-sagradische Allianz aus Micolinien und England. Der an diese Auseinandersetzung anknüpfende Asumarische Krieg 1657-1669 endete zwar nicht in einer direkten Niederlage für Sagradien, markierte aber zusammen mit dem zeitgleichen Debakel im sagro-spanischen Seekrieg (1668/69) seinen Abstieg als Weltmacht, der sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts maßgeblich ereignete und mit einem gleichzeitigen ökonomischen Niedergang Sagradiens koinzidiert. Die unglücklichen Beteiligungen am Pfälzischen und am Spanischen Erbfolgekrieg sowie der folgende Sagradische Bürgerkrieg fallen bereits in die Endphase des machtpolitischen Abstiegs und machen die Schwäche der sagradischen Monarchie in Kontrast zu seiner Blütephase im Goldenen Jahrhundert deutlich.
Das Goldene Jahrhundert in den Bildenden Künsten
Auch der Hof Davids und seiner ersten Frau Luisa d'Avis in Tulis wurde bald zu einem kulturellen Zentrum und zum Hauptort der sich entwickelnden sagradischen Renaissance. Auf die bereits unter seinen Vorgängern in Tulis wirkenden Renaissance-Künstler wie Nicola Vacheotti und Donado Celeste folgte eine zweite Generation hochbegabter Maler, Bildhauer und Architekten um die beiden Großen Don Cabal (Francès Cabal de Sáfora) und António Volero, die in fruchtbarem künstlerischen Wettbewerb zueinander standen und sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornten. Dabei galt der ältere Volero als der akribischere und der beiden, der einen Stil klassischer Schönheit, Harmonie und Nüchternheit bevorzugte, während Cabal das Genie verkörperte und vor allem in seinem Spätwerk zu individuellen Neuerungen und von Zeitgenossen heftig kritisierten Manierismen neigte.
Der Tod Davids I. 1543 und der folgende Josephitenaufstand in Tulis mit dem Resultat, dass der Sitz des Königs von der Hafenstadt Tulis ins sarmayische Semess verlegt wurde, stellt eine Zäsur im sagradischen Sêcolo d’Oro dar, welche die frühe so genannnte Tulinesische Phase bis 1550 beendete und zur Semestiner Phase überleitete. Gleichzeitig kann von einem allmählichen Übergang der sagradischen Hochrenaissance zur Spätrenaissance und danach zum Frühbarock gesprochen werden. Während Don Cabal in Tulis blieb und sich seinem Spätwerk widmete, zog Volero um 1550 an den neuen Hof Johannas I. (1543-1575) und ihres Mannes Michael III. (1543-1552) nach Semess. Jedoch dominierte bald eine neue Riege manieristischer Maler, die das Zeitalter der Spätrenaissance einläuteten und zum Frühbarock überleiteten. Der ebenfalls aus Tulis nach Semess gezogene Pier-Laurenço Domínguez de Gilán, genannt Tulinês (auch Lorenzo Tulinês), stieg zum Hofmaler König Johannas und ihres Sohnes Philipp VII. Jakob (1575-1591) auf.
Im nun zur neuen Hauptstadt Sagradiens ausgebauten Semess wurden nun im so genannten Estilo Reina Joana zahlreiche neue Bauten verwirklicht, während Tulis in die Wirren des Josephitenaufstands geriet und erst unter der Statthalterin Eleonore von Cuentez wieder an seine kulturelle Blütephase anschließen konnte, ohne aber auch politisch die frühere Machtstellung zurückzugewinnen. Am Hof Eleonores in Tulis traten nun Jofré de Gilard und Francès Murán de Fosa die Nachfolge der Altmeister Cabal und Volero an. In Semess wurde zeitgleich mit dem Neubau der Kathedrale San Docién in Celu nach den Plänen von Lorenzo Desquiero begonnen.
Am Hof Gabriels V. (1591-1640) entwickelte sich schließlich der sagradische Barock. Zum wichtigsten Maler dieser Epoche wurde Sebastian Bexente, der besonders in seinen frühen Jahren wichtige Werke schuf und in der Tradition Caravaggios einen ausdrucksstarken Stil entwickelte. Weitgehend unabhängig davon entwickelte sich auch in Tulis eine eigene Barock-Schule heraus (Baroque Azoumaresc), zu deren wichtigsten Exponenten Francisco Fran und Mauro Calestín gehörten und die unter Fürst-Statthalter Maximilian dem Prächtigen (1617-1654) einen Höhepunkt erreichte. Nach dem Tod Gabriels V. setzen Historiker das Ende des Goldenen Zeitalters an. Für die bildenden Künste setzen manche jedoch bereits das Ende der Tulinesischen Phase um 1550, andere dagegen erst den Tod Sebastians 1681 an, jedoch kann argumentiert werden, dass die Blütephase sagradischer bildender Künste sich zwischen den Hochphasen der Renaissancemalerei Cabals und Voleros in den 1520er Jahren und der Hochphase der Barockmalerei Sebastians in den 1620er bis 1640er Jahren abgespielt hat.
Das Goldene Jahrhundert in Literatur und Dichtung
Neben den bildenden Künsten der Renaissance und des frühen Barock ist das Goldene Zeitalter Sagradiens wesentlich von der Blütephase sagradischer Literatur in der so genannten sagradischen Klassik geprägt. Bereits im 15. Jahrhundert entwickelte sich in Sagradien eine vom Humanismus geprägte vorklassische Literatur, zu deren hervorragenden Vertretern die mittelsagradischen Dichter Georgo Frances de Herrera und Mariano Illiegues gerechnet werden können. Auch die asumerische Dichtung Josefe Borrards, der durch seine Geschichtensammlung „la Fontana“ berühmt wurde, kann zur Vorklassik gezählt werden und zeigte sich besonders einflussreich auf die spätere Literatur der Früh- und Hochklassik. Von dem humanistischen Gelehrten und Reformtheologen Franciscus Aurelianus (Francês d'Orell, 1439-1512) gingen weitere Impulse aus.
Um 1500 entwickelte sich parallel zur sagradischen Renaissancekunst auch eine von der italienischen Klassik und der antiken Philosophie und Dichtung geprägte Literatur. Die Dramen- und Komödiendichter Marcantónio Verosán und Erculo Danieles Scarça gelten als Hauptvertreter der Frühklassik bis etwa 1540, zu denen auch der Lyriker Manuel Braga gerechnet wird, der die Sonettform in die sagradischen Lyrik einführte. Auch in der sagradischen Literatur vollzog sich zwischen 1540 und 1550 mit den politischen Geschehnissen des Thronfolgekriegs ein Wandel, der jedoch unter der Förderung der Königin Johanna erst die eigentliche Blütephase einleitete, die von der Literatur des wichtigsten Vertreters sagradischer Dichtkunst Celiano Nacoma geprägt ist. Seine Schaffenszeit bis zu seinem Tod 1601 wird als Hochklassik bezeichnet, in die auch das Werk Plácido Cosanças fällt. Die zeitlich parallel verlaufende epische Duerezer „Besangua“-Literatur von Rodrigo Mêrces und António Man kann als Sonderform der Hochklassik angesehen werden. Ein großer Förderer der klassischen Dichtung Sagradiens war König Philipp VII. Jakob, genannt der Dichterkönig, der selbst schrieb und zunächst als Prinz und später als König bekannte sagradische Literaten um sich sammelte. Der Tod Cosanças 1594 und das Ableben Nacomas 1601 leuteten die so genannte Spätklassik ein, die erste Zerfallserscheinungen aufweist, aus denen das Werk Manuel Orraios mit seiner strengen Dramenform noch einmal deutlich herausragt. Der Philosoph, Literat und Naturwissenschaftler Santiago Calles gilt als Hauptvertreter der sagradischen Frühaufklärung und wird oft noch in die Spätphase der sagradischen Klassik eingeordnet. Orraios Tod 1645 gilt in der Literaturwissenschaft im Allgemeinen als endgültiger Schlusspunkt der sagradischen Klassik. Die folgende, auch als „Decadença“ bezeichnete Literatur des sagradischen Barock weist deutliche qualitative, thematische und formale Brüche mit der Klassik auf.