Putsch von 1898
Als Putsch von 1898 oder 25. April wird ein letztlich gescheiterter monarchistischer Putschversuch gegen die parlamentarische Zweite Sagradische Republik bezeichnet, der am 25. April 1898 stattfand und die Wiedererrichtung der Monarchie unter der Dynastie Viena zum Ziel hatte. Anführer des Putsches waren die monarchistischen Politiker und Generäle Arcélio del Carnet, Filipe Conte d'Avís und Stefano Perón de Carilla, späterer Kandidat der äußeren Rechten bei der Präsidentschaftswahl 1905.
Ziele
Die Putschisten verfolgten das Ziel, die republikanische Regierung um Präsident Luis Cavaller zu stürzen, den Grafen von Tesqué als Verweser der Krone einzusetzen und anschließend den Thronfolger José Filipe aus dem Exil zurück auf den Thron zu führen. Die eigentliche Macht sollte damit aus der Hand der gewählten Volksvertreter auf einen kleinen Kreis adliger Eliten übertragen werden.
Ablauf
In der Abwesenheit des Präsidenten Luis Cavaller, verbreitete sich am Morgen des 25. April 1898 das Gerücht, die Nationalversammlung sei aufgelöst und die Monarchie unter dem exilierten König Philipp X. wiedereingeführt. Der folgende Versuch der Putschisten, die Nationalversammlung zu besetzen, schlug aber bereits in seinen Ansätzen fehl, da ein Teil der Putschisten noch in den Morgenstunden festgenommen wurde und wesentliche Kommunikationswege abgeschnitten waren. In der Konsequenz gelang es nur wenigen putschistischen Soldaten, das Parlamentsgebäude zu umstellen, zum Sturm des Gebäudes kam es aber zunächst nicht. Dennoch erklärten einige monarchistische Abgeordnete im Gebäude ihre Solidarität mit den Aufständischen.
Präsident Luis Cavaller erklärte sofort den Ausnahmezustand und ernannte General Luis María de Castós zum Inhaber der Exekutivgewalt, nachdem er sich von dessen Loyalität hatte überzeugen lassen. Bereits nach wenigen Stunden brach der Putschversuch in sich zusammen, unter anderem weil sich große Teile der Semestiner Bevölkerung, der Verwaltung sowie Teile des Militärs, die General de Castós loyal gegenüberstanden, mit der republikanischen Regierung solidarisierten und den Staatsstreich boykottierten. Die Putschisten mussten schließlich aufgeben, auch wenn es in der Folge noch wochenlang zu verschiedenen Erhebungen in den Regionen kam.
Folgen
Der April-Putsch 1898 bewirkte letztlich das Gegenteil dessen, was er zu bewirken suchte. Statt die Monarchie zurückzubringen, führte die akute Bedrohung der jungen Republik zu einer Solidarisierung der längst zerstrittenen bürgerlich-liberalen Kreise und zu einem Machtgewinn der republikanischen Linken. Unter dem konservativen Republikaner Luciano Tropexas wurde ein "Governo de la Defêsa Republicana" gebildet, das sich auf eine breite Koalition von der radikalen Linken bis ins konservative Spektrum stützte.
Präsident Luis Cavaller, der sich in der Krise als starker Mann präsentiert hatte und dem offenbar die Loyalität führender Militärs sicher war, wurde in der Folge von einer überwältigenden Mehrheit für eine weitere Amtszeit im Präsidentenamt bestätigt und entwickelte sich zur Integrationsfigur der jungen Republik. Die Putschisten von 1898 wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, die Abgeordneten, die sich offen mit ihnen solidarisiert hatten, verloren ihr Mandat und durften 1899 nicht zur Parlamentswahl antreten. Zahlreiche "1898er" gehörten in der Folge zu den Anhängern der außerparlamentarischen Lafontanisten-Bewegung, die sich um den nationalistischen Major Daniel Lafontán sammelte.
Bei der Parlamentswahl 1899 profitierten aber vor allem die radikalen Republikaner von der Stimmung im Land und gingen erstmals als stärkste Kraft hervor. Unter der Führung des Radikalen-Politikers Donado Salgate setzte eine laizistische Koalitionsregierung in der Folge zahlreiche Gesetze durch, die in einer "zweiten Revolution" einen Großteil der bis dahin ausgebliebenen Sozialreformen nachholten und eine Säuberung des öffentlichen Dienstes von republikfeindlichen Beamten einleitete.
Erst nach der Parlamentswahl 1903 wurden die "1898er" Putschisten amnestiert und konnten in die Politik zurückkehren. Als Luis Cavaller 1905 wenige Monate vor Ende seiner zweiten Amtszeit starb, hatte sich aus der provisorischen Republik ein stabiles, wenn auch politisch heftig umkämpftes Gemeinwesen etabliert, das von breiten bürgerlichen Schichten getragen wurde. Bei der Präsidentschaftswahl 1905 stellte sich schließlich auch der frühere Putschist Stefano Perón de Carilla zur Wahl, der sich aber nicht durchsetzen konnte. Stattdessen wurde der unabhängige konservative Ex-General Joán Cardinal gewählt, dem Sympathien für die Putschisten von 1898 nachgesagt wurden. Zunächst von Linken äußerst kritisch betrachtet und als potenzielle Gefahr für die Republik angesehen, entwickelte sich die Präsidentschaft Cardinals zu einem Integrationserfolg, indem der erzkatholische und ehemals monarchistische General zahlreiche Republikgegner für das Gemeinwesen gewinnen konnte.