Bloco Centrista: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 17: | Zeile 17: | ||
Die Zentrumskoalition und die von ihr getragene Regierung Luciaro-Ilpa kann einige historische Erfolge vorweisen. Es gelang ihr mit ihrer Politik, sowohl Kritiker auf der Linken wie auf der Rechten von den eigenen Leisgungen zu überzeugen und an die eigene Politik zu binden. So übernahmen nach Wiedervereinigung der Sozialdemokraten mit den Mehrheits-Sozialisten in der [[Aliança Socialista d'Unitá Lavorista|ASUL]] 1957/1960 auch diese in ihrem [[Manifesto de Lemez|Lemezer Programm]] von 1962 in Grundzügen die außenpolitischen Ziele der Zentrumskoalition und sprachen sich für Westbindung und Europäische Integration aus. Gleichzeitig näherten sich darin auch die linken Sozialisten der Marktwirtschaft sozialer Prägung an, welche die Regierung Luciaro-Ilpa befördert hatte, die aber bereits vor Bildung der Zentrumskoalition 1950 von einer nicht unerheblichen Minderheit der sozialistischen Linken befürwortet worden war. | Die Zentrumskoalition und die von ihr getragene Regierung Luciaro-Ilpa kann einige historische Erfolge vorweisen. Es gelang ihr mit ihrer Politik, sowohl Kritiker auf der Linken wie auf der Rechten von den eigenen Leisgungen zu überzeugen und an die eigene Politik zu binden. So übernahmen nach Wiedervereinigung der Sozialdemokraten mit den Mehrheits-Sozialisten in der [[Aliança Socialista d'Unitá Lavorista|ASUL]] 1957/1960 auch diese in ihrem [[Manifesto de Lemez|Lemezer Programm]] von 1962 in Grundzügen die außenpolitischen Ziele der Zentrumskoalition und sprachen sich für Westbindung und Europäische Integration aus. Gleichzeitig näherten sich darin auch die linken Sozialisten der Marktwirtschaft sozialer Prägung an, welche die Regierung Luciaro-Ilpa befördert hatte, die aber bereits vor Bildung der Zentrumskoalition 1950 von einer nicht unerheblichen Minderheit der sozialistischen Linken befürwortet worden war. | ||
Auf der anderen Seite wurden auch die liberalen Parteien an die Politik des Zentrums und an deren Vorstellungen von einer staatlich kontrollierten Marktwirtschaft gebunden, die nach 1955 an die Seite der Christdemokraten in der Bürgerlichen Koalition traten. | Auf der anderen Seite wurden auch die liberalen Parteien an die Politik des Zentrums und an deren Vorstellungen von einer staatlich kontrollierten Marktwirtschaft gebunden, die nach 1955 an die Seite der Christdemokraten in der Bürgerlichen Koalition traten. | ||
| + | |||
| + | [[Kategorie: Koalition]] | ||
Version vom 20:02, 19. Feb 2017
Als Zentrumsblock (sagr. Bloco Centrista) oder Zentrumskoalition (sagr. Coalición Centrista) wird ein Regierungsbündnis der späten Vierziger und ersten Hälfte der Fünfziger Jahre in Sagradien bezeichnet. Das von den sagradischen Christdemokraten angeführte Bündnis der Mitte beerbte die 1947 zerbrochene Demokratische Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten und Kommunisten und versuchte eine republikanische und pro-westliche Kraft als Alternative zur kommunistisch-sozialistischen Linken und zu den nationalistischen und antidemokratischen Kräften des rechten Randes zu etablieren.
Neben den Christdemokraten Paulo Luciaros und den Sozialdemokraten Santo De la Ilpas gehörten dem Bündnis die meiste Zeit über auch die Radikalen und andere liberale Parteien an. Der Zentrumsblock stützte die von Santo de la Ilpa und Paulo Luciaro geführten Regierungen von 1947 bis Januar 1955, ehe sie endgültig auseinander brach und von einer bürgerlichen Koalition der Konservativen und Liberalen abgelöst wurde.
Inhaltsverzeichnis
Bildung und Zusammensetzung
Die nach dem Zweiten Weltkrieg gebildete Demokratische Koalition aus Sozialisten, Kommunisten und Christdemokraten war 1947 an den unterschiedlichen innen- und außenpolitischen Ansichten der Koalitionspartner zerbrochen. In der Folge kam es auch zu einer Spaltung des Partíu Socialista in eine linke, den Kommunisten zuneigende und die Marktwirtschaft ablehnende Mehrheit und eine rechte bzw. zentristische Minderheit, die sich 1946 unter Führung von Santo De la Ilpa als Partíu Socialista Democrático (PSD) abgespaltet hatte. In der Folge kam es zu einer Annäherung und engen Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit den Christdemokraten Paulo Luciaros. 1947 bis 1949 führte Ilpa eine Koalition des Bloco del Cientro aus Sozialdemokraten, Radikalen, Christdemokraten und (bis 1949 indirekt, danach direkt) die liberale MPD. Dies war der Versuch, eine dritte Kraft zwischen kommunistisch-sozialistischer Linke und faschistisch-rechtskonservativer Rechte zu etablieren, 1949 wurde erstmals auch die rechte UNP in diese Koalition eingebunden.
Nach dem Sieg des PPC bei den Kammerwahlen 1950 bildeten PPC, PSD und die liberalen PRR-Nachfolgeparteien Unión Democrática Republicana (UDR) und Unión Cívica Radical (UCR) eine breite Regierungskoalition der Mitte, die als Coalición Centrista bzw. Bloco Centrista bezeichnet wurde. Nach Ausscheiden der liberalen Komponente wurde die Koalition zwischen Christ- und Sozialdemokraten noch bis zu den Kammerwahlen 1954 fortgesetzt. Eine Wiederauflage nach den Wahlen hielt jedoch nur zwei Monate. Mit Aufkündigung der Koalition durch die bei den Wahlen marginalisierten Sozialdemokraten wurde die Zentrumskoalition durch eine neue konservativ-liberale Mitte-Rechts-Regierung aus PPC und den Parteien der liberalen Unión Democrática unter der Führung von Paulo Luciaro (so genannter Bloco Borguês) abgelöst, der De la Ilpa noch wenige Monate als Unabhängiger angehörte.
Wirtschafts- und Sozialpolitik
Die Zentrumskoalition setzte in Sagradien die Marktwirtschaft als grundsätzliches Wirtschaftssystem gegen die von der linken favorisierte Planwirtschaft durch. Die Marktwirtschaft behielt aber bestimmte planwirtschaftliche und korporatistische Elemente im Sinne begrenzter staatlicher Eingriffe und korporativer Einrichtungen, gleichzeitig wurde der sagradische Wohlfahrtsstaat weiter ausgebaut, sodass die Koalition als Bündnis der "sozialen Marktwirtschaft" bezeichnet werden kann. Erst die bürgerliche Nachfolgeregierung stärkte das marktwirtschaftliche Element und drängte die Rolle des Staates weiter zurück. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik war auch der Knackpunkt, an dem die Koalition 1955 zerbrach, nachdem sich die Christdemokraten unter dem Einfluss der Finanzminister Luis Enrico de Piacón (1952-1954) und Carles Ángel Favale (seit 1954) stärker hin zur freien Marktwirtschaft orientiert und sich damit den Vorstellungen der Rechtsliberalen angenähert hatten, die Sozialdemokraten wiederum nach der Wahlniederlage 1954 stärker ihr soziales Element betonten und unter De la Ilpas Nachfolger als Parteisekretär Márico Álvarez eine Linkswende genommen hatten.
Außen- und Sicherheitspolitik
In der Außenpolitik, die von Ministerpräsident Luciaro (PPC) und Außenminister De la Ilpa (PSD) wesentlich geprägt wurde, setzte die Zentrumskoalition die deutliche Westorientierung Sagradiens gegen Widerstände von rechts und von links durch. Ziele waren die tiefere Integration in NATO, die Aussöhnung mit den westeuropäischen Nachbarn und eine stärkere westeuropäische Zusammenarbeit. Luciaro und Ilpa unterstützten die NATO-Gründung, den Schuman-Plan sowie die Pläne für eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft. Unter der Regierung Luciaro-Ilpa gehörte Sagradien zudem 1951 zu den Gründern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ('Montanunion'). Außerdem bemühte sich die Koalition um einen Ausgleich mit Micolinien und eine endgültige Regelung der Golen-Frage, die aber erst nach Bruch der Koalition im Sommer 1955 in den Golischen Verträgen erreicht wurde.
Historische Einordnung
Die Zentrumskoalition und die von ihr getragene Regierung Luciaro-Ilpa kann einige historische Erfolge vorweisen. Es gelang ihr mit ihrer Politik, sowohl Kritiker auf der Linken wie auf der Rechten von den eigenen Leisgungen zu überzeugen und an die eigene Politik zu binden. So übernahmen nach Wiedervereinigung der Sozialdemokraten mit den Mehrheits-Sozialisten in der ASUL 1957/1960 auch diese in ihrem Lemezer Programm von 1962 in Grundzügen die außenpolitischen Ziele der Zentrumskoalition und sprachen sich für Westbindung und Europäische Integration aus. Gleichzeitig näherten sich darin auch die linken Sozialisten der Marktwirtschaft sozialer Prägung an, welche die Regierung Luciaro-Ilpa befördert hatte, die aber bereits vor Bildung der Zentrumskoalition 1950 von einer nicht unerheblichen Minderheit der sozialistischen Linken befürwortet worden war. Auf der anderen Seite wurden auch die liberalen Parteien an die Politik des Zentrums und an deren Vorstellungen von einer staatlich kontrollierten Marktwirtschaft gebunden, die nach 1955 an die Seite der Christdemokraten in der Bürgerlichen Koalition traten.