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'''Pier Costantine Ulisse''' (*1877; † 1942) war ein [[Mikolinien|mikolinischer]] Politiker und Staatsmann. Er war in den 1920er und 1930er Jahren die bestimmende Gestalt der mikolinischen Politik und Führer der nationalkonservativen [[PDM|Rechtspartei]]. Ulisse war von 1926 bis 1929 Innenminister unter dem [[PdEL|rechtsliberalen]] [[Osvalt Camur]] und von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1942 selbst [[Staatsminister]] des Landes. Er war zudem Mitbegründer und langjähriger Führer des [[Cartel National]], einer bürgerlichen, monarchistischen und antiseparatistischen Koalition, die das Land von 1926 bis 1948 durchgängig regierte.
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Ulisses Regierungszeit war geprägt vom Kampf der bürgerlichen Parteien gegen die marxistische Linke sowie vom [[Golischer Bürgerkrieg|Bürgerkrieg in Golen]]. Als Innen- und Staatsminister setzte Ulisse im Umgang mit den zunehmenden Autonomiebestrebungen in Golen auf eine harte Hand und hatte damit wesentlich Anteil an der Eskalation der Gewalt in Golen. 1937 konnte jedoch ein Waffenstillstand geschlossen werden. Der zunehmenden politischen Krise infolge der Weltwirtschaftskrise begegnete Ulisse mit teils autoritären Maßnahmen, die mit der Verfolgung politischer Gegner einhergingen. Zugleich konnte er mit einer effektiven Wirtschafts- und Sozialpolitik die Folgen der Krise in den Griff bekommen.  
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'''Pier Costantine Ulisse''' (*1877; † 1942) war ein [[Mikolinien|mikolinischer]] Politiker und Staatsmann. Er war in den 1920er und 1930er Jahren die bestimmende Gestalt der mikolinischen Politik und Führer der nationalkonservativen [[PDM|Rechtspartei]]. Ulisse war von 1926 bis 1929 Innenminister unter dem [[PdEL|rechtsliberalen]] [[Osvalt Camur]] und von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1942 selbst [[Staatsminister]] des Landes. Er war zudem Mitbegründer und langjähriger Führer des [[Cartel National]], einer bürgerlichen, monarchistischen und antiseparatistischen Koalition, die das Land von 1926 bis 1948 durchgängig regierte. Nach seinem Tod folgte ihm [[Noribert Ferrer]] in beiden Ämtern nach.
  
Ulisse gilt heute als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der modernen mikolinischen Geschichte. Während er von der politischen Rechten bis heute als Nationalheld angesehen wird, werfen ihm Linke und golische Nationalisten antidemokratische Methoden und exzessive Gewaltanwendung vor.  
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Ulisses Regierungszeit war geprägt vom Kampf der bürgerlichen Parteien gegen die marxistische Linke, von den Folgen der Weltwirtschaftskrise, den außenpolitischen Krisen der 1930er Jahre, dem Zweiten Weltkrieg sowie vom [[Golischer Bürgerkrieg|Bürgerkrieg in Golen]]. Als Innen- und Staatsminister setzte Ulisse im Umgang mit den zunehmenden Autonomiebestrebungen in Golen auf eine harte Hand und hatte damit wesentlich Anteil an der Eskalation der Gewalt in Golen. 1937 konnte jedoch ein Waffenstillstand geschlossen werden. Der zunehmenden politischen Krise infolge der Weltwirtschaftskrise begegnete Ulisse mit teils autoritären Maßnahmen, die mit der Verfolgung politischer Gegner einhergingen. Zugleich konnte er mit einer effektiven Wirtschafts- und Sozialpolitik die Folgen der Krise in den Griff bekommen. Im Zweiten Weltkrieg betrieb Ulisse eine Politik der abwehrbereiten Neutralität und erreichte es, das Land aus dem Krieg herauszuhalten. 
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Ulisse gilt heute als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der modernen mikolinischen Geschichte. Während er von der politischen Rechten bis heute als Nationalheld angesehen wird, werfen ihm Linke und golische Nationalisten antidemokratische Methoden und exzessive Gewaltanwendung vor. Unter Ulisse blieb Mikolinien zwar eine parlamentarische Monarchie und formal demokratisch, war aber von autoritären und repressiven Tendenzen geprägt. Damit gelang es Ulisse zwar, die Union zusammenzuhalten und eine Lösung im golischen Bürgerkrieg vorzubereiten. Das von Ulisse entwickelte Staats- und Politikmodell überlebte ihn aber nur sechs Jahre, ehe die [[Narzissenbewegung]] zu einer radikalen Staatsreform führte.
  
 
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Nachdem sich Ulisses Rechtspartei bei der Parlamentswahl als stärkerer Partner erwiesen hatte, ernannte ihn der König schließlich als Nachfolgr Camurs zum [[Staatsminister]]. Unter Ulisses Führung wurde das Nationale Kartell zu einem dauerhaften Bündnis verfestigt, das die folgenden Parlamentswahlen bis einschließlich 1945 allesamt für sich entscheiden konnte, in dem konsequent Wahlbündnisse gegen linke Bewerber geschlossen wurden.
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Nachdem sich Ulisses Rechtspartei bei der Parlamentswahl als stärkerer Partner erwiesen hatte, ernannte ihn der König schließlich als Nachfolger Camurs zum [[Staatsminister]]. Unter Ulisses Führung wurde das Nationale Kartell zu einem dauerhaften Bündnis verfestigt, das die folgenden Parlamentswahlen bis einschließlich 1945 allesamt für sich entscheiden konnte, in dem konsequent Wahlbündnisse gegen linke Bewerber geschlossen wurden. Zum Teil brachte Ulisse mithilfe des Inlandsgeheimdienstes gezielt oppositionelle Kandidaten davon ab, sich aufstellen zu lassen, oder finanzierte eigene Oppositionskandidaten, um die Stimmen der politischen Linken zu zerstreuen und so keine aussichtsreichen Wettbewerber aufkommen zu lassen.
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Innenpolitisch stand Ulisses Regierung unter dem Motto "König, Volk, einiges Vaterland", das zugleich als entschiedene Ablehnung jeder separatistischer Bewegungen zu verstehen war. Insbesondere in der Weltwirtschaftskrise seit 1929 setzte Ulisse auf einen autoritären Kurs und erließ mehrere Gesetze zum Schutz von Staat und Monarchie, mit denen republikanische und separatistische Tendenzen bekämpft werden sollten. Die Maßnahmen richteten sich damit vor allem gegen Sozialisten, Kommunisten und golische Nationalisten und führten zu zahlreichen Verhaftungen und Verurteilungen politischer Gegner.
  
Innenpolitisch stand Ulisses Regierung unter dem Motto "König, Volk, einiges Vaterland", das zugleich als entschiedene Ablehnung jeder separatistischer Bewegungen zu verstehen war. Insbesondere in der Weltwirtschaftskrise seit 1929 setzte Ulisse auf einen autoritären Kurs und erließ mehrere Gesetze zum Schutz von Staat und Monarchie, mit denen republikanische und separatistische Tendenzen bekämpft werden sollten. Die Maßnahmen richteten sich damit vor allem gegen Sozialisten, Kommunisten und golische Nationalisten und führten zu zahlreichen Verhaftungen und Verurteilungen politischer Gegner. Nachdem im Zuge der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre die populistische Bauernpartei [[LNPP]] einige Erfolge hatte feiern können, wurde sie kurzerhand in die Nationale Koalition eingebunden. Die [[PCM|Kommunistische Partei Mikoliniens]] dagegen wurde 1939 verboten.
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Mit dem "Nationalrat" etablierte die Regierung zudem in einer groß angelegten Staatsreform ein neues korporatistisches Verfassungsorgan neben Abgeordnetenkammer und Senat, in dem die gesellschaftlichen "Stände" vertreten waren. Der Rat konnte in der Verfassungswirklichkeit aber kein großes Gewicht entwickeln. Nachdem im Zuge der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre die populistische Bauernpartei [[LNPP]] einige Erfolge hatte feiern können, wurde sie kurzerhand in die Nationale Koalition eingebunden. Die [[PCM|Kommunistische Partei Mikoliniens]] dagegen wurde 1939 verboten.
  
 
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Aktuelle Version vom 14. Dezember 2020, 19:23 Uhr

EnriqueMartinez.jpg

Pier Costantine Ulisse (*1877; † 1942) war ein mikolinischer Politiker und Staatsmann. Er war in den 1920er und 1930er Jahren die bestimmende Gestalt der mikolinischen Politik und Führer der nationalkonservativen Rechtspartei. Ulisse war von 1926 bis 1929 Innenminister unter dem rechtsliberalen Osvalt Camur und von 1929 bis zu seinem Tod im Jahr 1942 selbst Staatsminister des Landes. Er war zudem Mitbegründer und langjähriger Führer des Cartel National, einer bürgerlichen, monarchistischen und antiseparatistischen Koalition, die das Land von 1926 bis 1948 durchgängig regierte. Nach seinem Tod folgte ihm Noribert Ferrer in beiden Ämtern nach.

Ulisses Regierungszeit war geprägt vom Kampf der bürgerlichen Parteien gegen die marxistische Linke, von den Folgen der Weltwirtschaftskrise, den außenpolitischen Krisen der 1930er Jahre, dem Zweiten Weltkrieg sowie vom Bürgerkrieg in Golen. Als Innen- und Staatsminister setzte Ulisse im Umgang mit den zunehmenden Autonomiebestrebungen in Golen auf eine harte Hand und hatte damit wesentlich Anteil an der Eskalation der Gewalt in Golen. 1937 konnte jedoch ein Waffenstillstand geschlossen werden. Der zunehmenden politischen Krise infolge der Weltwirtschaftskrise begegnete Ulisse mit teils autoritären Maßnahmen, die mit der Verfolgung politischer Gegner einhergingen. Zugleich konnte er mit einer effektiven Wirtschafts- und Sozialpolitik die Folgen der Krise in den Griff bekommen. Im Zweiten Weltkrieg betrieb Ulisse eine Politik der abwehrbereiten Neutralität und erreichte es, das Land aus dem Krieg herauszuhalten.

Ulisse gilt heute als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der modernen mikolinischen Geschichte. Während er von der politischen Rechten bis heute als Nationalheld angesehen wird, werfen ihm Linke und golische Nationalisten antidemokratische Methoden und exzessive Gewaltanwendung vor. Unter Ulisse blieb Mikolinien zwar eine parlamentarische Monarchie und formal demokratisch, war aber von autoritären und repressiven Tendenzen geprägt. Damit gelang es Ulisse zwar, die Union zusammenzuhalten und eine Lösung im golischen Bürgerkrieg vorzubereiten. Das von Ulisse entwickelte Staats- und Politikmodell überlebte ihn aber nur sechs Jahre, ehe die Narzissenbewegung zu einer radikalen Staatsreform führte.

Cartel National[bearbeiten]

Als Parteichef der Rechtspartei, überzeugter Anhänger der Monarchie und des Zentralstaates, war Ulisse ein Gegner der republikanisch-marxistischen Linken und der separatistischen Tendenzen in Golen und Peruzien. Nachdem der Radikaldemokrat Francis Clesqerel im Jahr 1925 damit gescheitert war, die oppositionellen Sozialisten und die Staatsliberalen hinter seiner Minderheitsregierung zu versammeln, kam es Ende 1925 zu einer Regierungskrise. Als Clesqerel versuchte, die Sozialisten in seine Regierung einzubinden, weigerte sich König Karl XII., Clesqerel ein neues Mandat zur Regierungsbildung zu erteilen und drängte stattdessen die bis dahin verfeindeten Rechtsparteien zu einer gemeinsamen Koalition.

In einem "Geheimtreffen" einigten sich die beiden Parteiführer Osvalt Camur und Pier Ulisse schließlich auf eine gemeinsame "Nationale Koalition", in der Camur das Amt des Staatsministers und Ulisse das Innenministerium übernahm. Bei der Mikolinischen Parlamentswahl 1929 bildeten die beiden Regierungsparteien ein Wahlkartell gegen die Parteien der Linken und konnten einen deutlichen Sieg davon tragen.

Innenpolitik[bearbeiten]

Nachdem sich Ulisses Rechtspartei bei der Parlamentswahl als stärkerer Partner erwiesen hatte, ernannte ihn der König schließlich als Nachfolger Camurs zum Staatsminister. Unter Ulisses Führung wurde das Nationale Kartell zu einem dauerhaften Bündnis verfestigt, das die folgenden Parlamentswahlen bis einschließlich 1945 allesamt für sich entscheiden konnte, in dem konsequent Wahlbündnisse gegen linke Bewerber geschlossen wurden. Zum Teil brachte Ulisse mithilfe des Inlandsgeheimdienstes gezielt oppositionelle Kandidaten davon ab, sich aufstellen zu lassen, oder finanzierte eigene Oppositionskandidaten, um die Stimmen der politischen Linken zu zerstreuen und so keine aussichtsreichen Wettbewerber aufkommen zu lassen.

Innenpolitisch stand Ulisses Regierung unter dem Motto "König, Volk, einiges Vaterland", das zugleich als entschiedene Ablehnung jeder separatistischer Bewegungen zu verstehen war. Insbesondere in der Weltwirtschaftskrise seit 1929 setzte Ulisse auf einen autoritären Kurs und erließ mehrere Gesetze zum Schutz von Staat und Monarchie, mit denen republikanische und separatistische Tendenzen bekämpft werden sollten. Die Maßnahmen richteten sich damit vor allem gegen Sozialisten, Kommunisten und golische Nationalisten und führten zu zahlreichen Verhaftungen und Verurteilungen politischer Gegner.

Mit dem "Nationalrat" etablierte die Regierung zudem in einer groß angelegten Staatsreform ein neues korporatistisches Verfassungsorgan neben Abgeordnetenkammer und Senat, in dem die gesellschaftlichen "Stände" vertreten waren. Der Rat konnte in der Verfassungswirklichkeit aber kein großes Gewicht entwickeln. Nachdem im Zuge der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre die populistische Bauernpartei LNPP einige Erfolge hatte feiern können, wurde sie kurzerhand in die Nationale Koalition eingebunden. Die Kommunistische Partei Mikoliniens dagegen wurde 1939 verboten.

Golenkrieg[bearbeiten]

Als Innen- und Staatsminister war Ulisse mit einer Reihe von Terror-Anschlägen der golisch-separatistischen FLG konfrontiert. Gegen gewaltsame Ausschreitungen ging er mit harter Hand vor und nahm die 1922 eingeräumten Autonomierechte Golens schrittweise wieder zurück. Als es am sogenannten "Schwarzen Samstag" 1934 zu den bisher schwersten Gefechten zwischen golischen Kämpfern und staatlicher Polizei gekommen war, setzte die Ulisse-Regierung schließlich das Statut aus und verhängte den Kriegszustand über Golen. Damit begann die heiße Phase des Golenaufstands, der zunehmend zum Bürgerkrieg zwischen staatlichen Einheiten und separatistischen Aufständischen eskalierte.

Über das harte Vorgehen der mikolinischen Nationalregierung in Golen kam es schließlich auch zu einer schweren außenpolitischen Krise mit dem Nachbarn Sagradien, das zunehmend Flüchtlinge aus den golischen Bürgerkriegsgebieten aufnahm. Die 1936 ins Amt gewählte linke Volksfront-Regierung in Semest weigerte sich, golische Flüchtlinge an Mikolinien aufzuliefern, sodass ihr von mikolinischer Seite vorgeworfen wurde, Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Zudem protestierte die mikolinische Zentralregierung gegen Pläne der Volksfrontregierung in Semest, den golischsprachigen Gebieten in Sagradien besondere Autonomierechte zu gewähren. Damit sollte ein weiteres Erstarken der sezessionistischen Bewegung verhindert und ein Überschwappen des Konflikts auf Sagradien verhindert werden. Servette sah darin jedoch eine Provokation und eine potenzielle Stärkung der Nationalisten in Alagua durch die sagradische Regierung.

In der folgenden internationalen Golenkrise 1936 kam es schließlich wiederholt zu Grenzverletzungen durch mikolinische Truppen, die auf sagradisches Territorium vordrangen, um - so die offizielle Begründung - terroristische Akte zu beenden und damit die Sicherheit des eigenen Landes zu gewährleisten. Die Regierung in Semest reagierte empört und beschwerte sich beim Völkerbund, der schließlich ein internationales Moratorium verhängte. Die zunehmend eskalierende Lage in Golen und der Erfolg der Autonomiebewegung in Sagradien führte im mikolinisch-golischen Konflikt zu einem Umdenken. Mit einem Waffenstillstand wurde die Lage 1937 vorerst befriedet, nachdem die golischen Kämpfer zunehmend geschwächt worden waren. Bereits 1936 hatten sich gemäßigte und radikalere golische Kräfte auf ein Bündnis geeinigt und unter der Führung von Valentin Cŏrpas von der Golischen Volkspartei eine gemeinsame provisorische golische Nationalregierung gebildet.

Im Accord de Malbranq erkannte die Regierung Ulisse die golische Regierung Corpas schließlich als Verhandlungspartner an und sicherte ein neues Autonomiestatut zu, sofern es gelänge, die Sicherheit für die Bevölkerung zu garantieren. Der Ausnahmezustand wurde daraufhin aufgehoben, doch zerbrach die golische Einheitsregierung wieder, als der radikalere Teil der Unabhängigkeitsbewegung Cŏrpas die Gefolgschaft verweigerte, sodass der Bürgerkrieg mit regelmäßigen Terroranschlägen der FLG de facto bis zum Tod Ulisses und darüber hinaus anhielt.