Volksunion: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 7: | Zeile 7: | ||
Die Volksaktion entstand in mehreren Schritten aus einer parlamentarischen Gruppe oppositioneller monarchistischer Abgeordneter, die sich infolge des gescheiterten [[Putsch von 1898|Putsches von 1898]] an die republikanische Mitte angenähert hatten. Seit 1903 stützte die Mehrzahl dieser Abgeordneten die rechte "[[Koalition der Moral]]" und gründete anlässlich der [[Präsidentschaftswahlen 1905]] eine gemeinsame parlamentarische Gruppe. Sie unterstützte den konservativen Bewerber [[Joán Cardinal]], der sich schließlich durchsetzen konnte und zum zweiten Präsidenten der Republik gewählt wurde. Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1907|Parlamentswahlen 1907]] trat die Acción Popular erstmals als Partei an und wurde drittstärkste Partei im rechten Lager, konnte sich rasch aber steigern und profitierte von den Auflösungserscheinungen der konservativ-republikanischen [[Unión Republicana|Unionistischen Partei]]. Innerhalb der Unionistischen Partei hatte sich bereits seit Ende der 1890er Jahre eine eigene liberal- und sozialkatholische Strömung herausgebildet, die sich nun ebenfalls der Aktionspartei anschloss. | Die Volksaktion entstand in mehreren Schritten aus einer parlamentarischen Gruppe oppositioneller monarchistischer Abgeordneter, die sich infolge des gescheiterten [[Putsch von 1898|Putsches von 1898]] an die republikanische Mitte angenähert hatten. Seit 1903 stützte die Mehrzahl dieser Abgeordneten die rechte "[[Koalition der Moral]]" und gründete anlässlich der [[Präsidentschaftswahlen 1905]] eine gemeinsame parlamentarische Gruppe. Sie unterstützte den konservativen Bewerber [[Joán Cardinal]], der sich schließlich durchsetzen konnte und zum zweiten Präsidenten der Republik gewählt wurde. Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1907|Parlamentswahlen 1907]] trat die Acción Popular erstmals als Partei an und wurde drittstärkste Partei im rechten Lager, konnte sich rasch aber steigern und profitierte von den Auflösungserscheinungen der konservativ-republikanischen [[Unión Republicana|Unionistischen Partei]]. Innerhalb der Unionistischen Partei hatte sich bereits seit Ende der 1890er Jahre eine eigene liberal- und sozialkatholische Strömung herausgebildet, die sich nun ebenfalls der Aktionspartei anschloss. | ||
| − | Erster Führer der Acción Popular war der katholische | + | Erster Führer der Acción Popular war der katholische Priester [[Abat Bernardo Regüer]], der die Partei zusammen mit [[Alfredo Cresca]] und [[Demetrio Orzabal]] gegründet hatte. Diese waren alle ehemalige Monarchisten, die im Zusammenhang mit der päpstlichen Enzyklika Rerum Novarum Leo XIII.’ auf die republikanische Seite gewechselt waren, eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft aber ebenso ablehnten wie den Laizismus der Liberalen. |
Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1909|Wahlen 1909]] erhielt die Acción Popular bereits mehr Mandate als die unionistischen Nachfolgeparteien zusammen, [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1913|vier Jahre später]] wurde sie stärkste Kraft im klerikal-konservativen Lager und bildete daraufhin gemeinsam mit der siegreichen liberalen [[Alianza Republicana|Republikanischen Allianz]] (AR) eine Koalition der rechten Mitte, die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1917|1917]] aber durch eine linke Mehrheit abgelöst wurde. | Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1909|Wahlen 1909]] erhielt die Acción Popular bereits mehr Mandate als die unionistischen Nachfolgeparteien zusammen, [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1913|vier Jahre später]] wurde sie stärkste Kraft im klerikal-konservativen Lager und bildete daraufhin gemeinsam mit der siegreichen liberalen [[Alianza Republicana|Republikanischen Allianz]] (AR) eine Koalition der rechten Mitte, die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1917|1917]] aber durch eine linke Mehrheit abgelöst wurde. | ||
| − | Während Francisco Tropexas seit 1917 versuchte, in Konkurrenz zur Linken das sozialreformerische Profil der Partei zu schärfen, kam es zu einem kontinuierlichen Erstarken des konservativen und teilweise antidemokratischen rechten Parteiflügels und zu extremen innerparteilichen Spannungen. Nach dem Sieg der Linken bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1917|Parlamentswahlen 1917]] und der ersten sozialistischen Regierungsbeteiligung rückten die Katholiken der Volksaktion stärker nach rechts und suchten zum Teil den Schulterschluss mit den antirepublikanischen Kräften. 1924 bildeten schließlich die Volksaktion, die sich nun als ''Volksaktion der Rechten'' bezeichnete, sowie mehrere kleinere Rechtsparteien die katholisch-konservative [[Unión Popular]], die bis 1943 Bestand hatte und mit einem deutlichen Rechtskurs zur klar stärksten Partei der Rechten aufstieg. Ein Teil des reformorientierten Flügels der Volksaktion schloss sich dagegen der 1925 gegründeten stärker progressiv ausgerichteten christdemokratischen [[PDP]] an. | + | Während Regüers Nachfolger als Parteiführer [[Francisco Tropexas]] seit 1917 versuchte, in Konkurrenz zur Linken das sozialreformerische Profil der Partei zu schärfen, kam es zu einem kontinuierlichen Erstarken des konservativen und teilweise antidemokratischen rechten Parteiflügels und zu extremen innerparteilichen Spannungen. Nach dem Sieg der Linken bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1917|Parlamentswahlen 1917]] und der ersten sozialistischen Regierungsbeteiligung rückten die Katholiken der Volksaktion stärker nach rechts und suchten zum Teil den Schulterschluss mit den antirepublikanischen Kräften. 1924 bildeten schließlich die Volksaktion, die sich nun als ''Volksaktion der Rechten'' bezeichnete, sowie mehrere kleinere Rechtsparteien die katholisch-konservative [[Unión Popular]], die bis 1943 Bestand hatte und mit einem deutlichen Rechtskurs zur klar stärksten Partei der Rechten aufstieg. Ein Teil des reformorientierten Flügels der Volksaktion schloss sich dagegen der 1925 gegründeten stärker progressiv ausgerichteten christdemokratischen [[PDP]] an. |
Version vom 14:24, 1. Feb 2011
Die Acción Popular, zu deutsch Volksaktion (später als Acción Popular de la Derestra, Volksaktion der Rechten bekannt) war eine katholisch-konservative Partei in der Zweiten Sagradischen Republik. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet, war die Volksaktion die erste große Konfessionspartei Sagradiens.
Ausrichtung und Wählerschaft
Die Volksaktion ging aus dem Umfeld des Vereins Nación Católica Social (NCS) hervor und wurde 1909 nach dem Vorbild der deutschen Zentrumspartei und der französischen Alliance Libérale Populaire gegründet. Sie sah sich als katholische Konfessionspartei und vertrat konservative kirchennahe sowie nationale und christlichsoziale Positionen. Anders als die ultrakonservative und monarchische Rechte der frühen Republik bezeichnete sich die Volksaktion als demokratische Partei, lehnte aber die laizistischen Positionen der republikanischen Linken entschieden ab. Neben dem konservativ-katholischen Flügel bestanden auch ein liberal-progressiver, ein sozialreformatorischer und stark von der katholischen Soziallehre geprägter sowie ein im Grund monarchischer und autoritärer Parteiflügel, in dem es auch starke antisemitische Tendenzen gab. Die Partei orientierte sich stark bürgerlich und altklerikal und konnte auf diese Weise große Teile der konservativen Agrarbevölkerung und des Groß- und Kleinbürgertums, Handwerker, Gewerbetreibende und Beamte anziehen, die sich selbst als katholisch verstanden und sich den Säkularisierungstendenzen in Gesellschaft und Politik entgegen stellten.
Geschichte
Die Volksaktion entstand in mehreren Schritten aus einer parlamentarischen Gruppe oppositioneller monarchistischer Abgeordneter, die sich infolge des gescheiterten Putsches von 1898 an die republikanische Mitte angenähert hatten. Seit 1903 stützte die Mehrzahl dieser Abgeordneten die rechte "Koalition der Moral" und gründete anlässlich der Präsidentschaftswahlen 1905 eine gemeinsame parlamentarische Gruppe. Sie unterstützte den konservativen Bewerber Joán Cardinal, der sich schließlich durchsetzen konnte und zum zweiten Präsidenten der Republik gewählt wurde. Bei den Parlamentswahlen 1907 trat die Acción Popular erstmals als Partei an und wurde drittstärkste Partei im rechten Lager, konnte sich rasch aber steigern und profitierte von den Auflösungserscheinungen der konservativ-republikanischen Unionistischen Partei. Innerhalb der Unionistischen Partei hatte sich bereits seit Ende der 1890er Jahre eine eigene liberal- und sozialkatholische Strömung herausgebildet, die sich nun ebenfalls der Aktionspartei anschloss.
Erster Führer der Acción Popular war der katholische Priester Abat Bernardo Regüer, der die Partei zusammen mit Alfredo Cresca und Demetrio Orzabal gegründet hatte. Diese waren alle ehemalige Monarchisten, die im Zusammenhang mit der päpstlichen Enzyklika Rerum Novarum Leo XIII.’ auf die republikanische Seite gewechselt waren, eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft aber ebenso ablehnten wie den Laizismus der Liberalen.
Bei den Wahlen 1909 erhielt die Acción Popular bereits mehr Mandate als die unionistischen Nachfolgeparteien zusammen, vier Jahre später wurde sie stärkste Kraft im klerikal-konservativen Lager und bildete daraufhin gemeinsam mit der siegreichen liberalen Republikanischen Allianz (AR) eine Koalition der rechten Mitte, die 1917 aber durch eine linke Mehrheit abgelöst wurde.
Während Regüers Nachfolger als Parteiführer Francisco Tropexas seit 1917 versuchte, in Konkurrenz zur Linken das sozialreformerische Profil der Partei zu schärfen, kam es zu einem kontinuierlichen Erstarken des konservativen und teilweise antidemokratischen rechten Parteiflügels und zu extremen innerparteilichen Spannungen. Nach dem Sieg der Linken bei den Parlamentswahlen 1917 und der ersten sozialistischen Regierungsbeteiligung rückten die Katholiken der Volksaktion stärker nach rechts und suchten zum Teil den Schulterschluss mit den antirepublikanischen Kräften. 1924 bildeten schließlich die Volksaktion, die sich nun als Volksaktion der Rechten bezeichnete, sowie mehrere kleinere Rechtsparteien die katholisch-konservative Unión Popular, die bis 1943 Bestand hatte und mit einem deutlichen Rechtskurs zur klar stärksten Partei der Rechten aufstieg. Ein Teil des reformorientierten Flügels der Volksaktion schloss sich dagegen der 1925 gegründeten stärker progressiv ausgerichteten christdemokratischen PDP an.